Schon zum zweiten Mal müssen Unternehmen ihre künftigen Auszubildenden unter Corona-Bedingungen suchen. Eine Herausforderung, der sich viele Ausbildungsbetriebe bewusst stellen. Innovative digitale Tools bringen Azubis und Betriebe trotz Pandemie zueinander. 
 
Der Countdown läuft. In wenigen Monaten beginnt das neue Ausbildungsjahr. Während Schulabgänger sich nach attraktiven Jobs umschauen, haben viele Betriebe noch immer stark mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Doch auch in Corona-Zeiten wollen und müssen Unternehmen sowohl kurzfristige Herausforderungen meistern, als auch langfristig in die Zukunft investieren. Mit innovativen digitalen Tools umwerben sie den Fachkräftenachwuchs. Die IHKs unterstützen sie dabei.  
 
Deutliche Spuren der Krise 
Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Krise deutliche Spuren in der Ausbildungsbilanz hinterlassen. Verunsicherte Schulabgänger warteten teils erst einmal ab, aus Angst vor Einschränkungen bei den Ausbildungsabläufen oder im Ernstfall sogar vor einer Insolvenz des Ausbildungsbetriebes. Da Ausbildungsmessen, Betriebspraktika und teils auch Bewerbungsgespräche zuletzt ausfielen, war es noch schwieriger geworden, Betriebe und Schulabgänger zusammen zu bringen. Die Zahl der bei den IHKs eingetragenen neuen Ausbildungsverträge lag mit 269.000 zum Stichtag am 30. November 2020 um 12,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ob sich nach Ende des Lockdowns auch am Ausbildungsmarkt die Perspektiven wieder aufhellen? 
 
Kreative Lösungen gefragt 
Trotz Homeoffice und Wegfall zahlreicher klassischer Recruitingtools lassen Unternehmen den Kontakt zu Nachwuchstalenten auch in der Krise nicht abreißen – und zeigen sich gleichzeitig kreativ bei den Ausbildungsinhalten. Sie richten digitale Plattformen ein, um über Ausbildungsberufe zu informieren, oder stehen in wöchentlichen Sprechstunden für Fragen bereit. Sie kommunizieren intensiv über soziale Medien und schaffen so die Verbindung zu ihren Job- und Karriere-Webseiten. Sie veranstalten virtuelle Business-Plan-Wettbewerbe, mit denen Schülerinnen und Schüler ihre Talente ausloten und ganz nebenbei etwas über das ausrichtende Unternehmen erfahren. Hotels lassen ihre Mitarbeiter Gäste spielen, um den Ausbildungsbetrieb hinter verschlossenen Türen weiterführen zu können. An Virtual-Reality-Zwillingen realer Produktionsanlagen bringen Ausbilder angehenden jungen Fachkräfte notfalls auch im digitalen Raum auf Distanz bei, was sie später in der Praxis können sollen.  
 
Mit Azubis-Apps zum Austausch untereinander, digitalen Onboarding-Programmen, der Förderung virtueller Zusammenarbeit, Webinaren zur Selbstorganisation für Auszubildende, dem Einsatz von Azubis in unternehmenseigenen Krisenstäben oder als Organisatoren der digitalen Ausbildungs-Accounts in den sozialen Medien beweisen Betriebe, dass sie flexibel auf neue Herausforderungen reagieren und auch in der Corona-Krise attraktive Azubi-Arbeitgeber sind. Ganz nebenbei gewinnen kleine und mittlere Unternehmen an digitaler Reife und profitieren vom Kompetenzzuwachs ihrer Azubis. 
 
Um die digitalen Kompetenzen des Fachkräftenachwuchses geht es auch beim sogenannten „DigitalPakt“. Danach soll die Digitalisierung in den Schulen mit 6,5 Milliarden Euro gefördert werden. Die Grundidee: Für einen modernen und zukunftsorientierten Unterricht ist eine entsprechende digitale Ausstattung unerlässlich.  Gilt auch für die Berufsschulen. „Die Kultusministerkonferenz setzt sich dafür ein, um unter anderem über einen ,Pakt für berufliche Schulen‘ die erforderliche Investitionsbereitschaft aller Beteiligten herzustellen“, sagt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst.  
 
Virtuelle Angebote der IHKs 
Auch die IHKs nutzen digitale Möglichkeiten, um Unternehmen in der Pandemie bestmöglich zu unterstützen. Im virtuellen Raum findet jetzt viel von dem statt, was sonst persönlich ablief. Webinare informieren über die Vielfalt der 250 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe. Das erfolgreiche Azubi-Speed-Dating bringt jetzt Betriebe und angehende Lehrlinge via Skype oder App zusammen. In virtuellen Vortragsreihen machen die Kammern ihre Mitglieder fit für einen wirkungsvollen Online-Auftritt, sei es eine Jobmesse oder Azubi-Marketing an den Schulen. Auch die wichtigsten Ratgeber der Jugendlichen verlieren die Kammern nicht aus den Augen: In digitalen Elterncafés informieren sie gemeinsam mit der Agentur für Arbeit über die vielfältigen Ausbildungswege und Karriereperspektiven. Schließlich stellen Hotlines für die Last-Minute-Suche sicher, dass so wenig Plätze wie möglich unbesetzt bleiben. 

Auf der Plattform Lehrstellenbörse stellen alle 79 IHKs die Angebote für Praktika, Ausbildung und duales Studium ein – Anfang März waren es über 50.000 freie Plätze. Zudem können sich Schulabgänger informieren, welcher Beruf zu ihnen passt, was genau sie in einem bestimmten Beruf lernen, und Sie finden auch hilfreiche Tipps etwa zur Bewerbung.