Das erfolgreiche Netzwerk Industrie am Standort Deutschland ist ein enger Verbund von Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern. Nun zeichnen sich auch dort angesichts der Corona-Pandemie viele Probleme ab: Acht von zehn Industriebetrieben rechnen krisenbedingt mit Umsatzeinbußen, bei den unternehmensnahen Dienstleistern sind es fast drei Viertel. Die stark sinkende Nachfrage nach Produkten „made in Germany“, wegbrechende Aufträge und die Unsicherheit darüber, wie sich die Absatzmärkte weltweit entwickeln werden, setzen der exportorientierten industriellen Basis hierzulande zu. Hinzu kommen Einschränkungen im betrieblichen Alltag wie fehlende Waren und Dienstleistungen oder logistische Engpässe, die rund jedes vierte Industrieunternehmen treffen.

35 Prozent der Betriebe im verarbeitenden Gewerbe sehen sich gezwungen, Personal abzubauen, 43 Prozent müssen die Kosten senken. Das hat Folgen für die Gesamtwirtschaft, denn 85 Prozent der privaten Forschungs- und Entwicklungs-Ausgaben kommen aus der Industrie. Sie erwirtschaftet hierzulande fast ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes.
 
Finanzierung der Unternehmen sichern
Das A und O in Krisenzeiten ist eine solide finanzielle Ausstattung der Betriebe: Aktuell ist für jedes zweite Industrieunternehmen der Rückgang des Eigenkapitals ein drängendes Problem – für jedes vierte sind es Liquiditätsengpässe. Eine Erweiterung der Möglichkeiten, aktuelle Verluste kurzfristig steuerlich zu berücksichtigen, könnte vielen Unternehmen die dringend benötigte Liquidität verschaffen. Zugleich würde es das Eigenkapital stärken, wenn die Betriebe daraufhin weniger Kredite benötigten. Steuerrückzahlungen der Finanzämter können Unternehmen sofort in den Re-Start investieren.
 
Betriebliche Investitionen stärken
Die Krise wird tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Schon jetzt legt fast jedes zweite Industrieunternehmen geplante Investitionen auf Eis oder streicht Investitionsbudgets zusammen – bei den Großunternehmen ab 1.000 Mitarbeitern sind es sogar zwei Drittel. Wir brauchen eine Debatte darüber, wie Investitionen hierzulande kurz- und langfristig angekurbelt werden können. Kurzfristig würden schnellere Abschreibungsmöglichkeiten positive Investitionsanreize setzen.
 
Strukturelle Probleme des Standortes anpacken
Beim Re-Start aus der Krise hilft es auch, strukturelle Probleme am Industriestandort Deutschland anzugehen – seien es die langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Höhe der Stromkosten oder die Fülle an bürokratischen Belastungen. Ansatzpunkte gibt es viele – von A wie "Aussetzen neuer Vorschriften", beispielsweise des neuen Energielabels bis Mitte 2021, bis Z wie "Zusatzkosten reduzieren", etwa bei der EEG-Umlage. Die jetzigen Erfahrungen während der Pandemie zeigen aber auch, dass bei gutem Willen Verfahren durch Digitalisierung beschleunigt und Vorschriften sowie Fristen näher an der Praxis ausgerichtet werden können. Diese Learnings sollten unbedingt in die Zeit nach der Krise mitgenommen werden.