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04. Oktober 2019
Kommentar

Berufsbezogene Sprachkenntnisse unerlässlich

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben zum Flüchtlingsgipfel.
„16 Prozent der Ausbildungsbetriebe bilden derzeit Geflüchtete aus. Das unterstreicht das große Engagement der Wirtschaft bei der Integration geflüchteter Menschen. Die Industrie- und Handelskammern unterstützen hier vielerorts bei der Berufsorientierung, der Feststellung von Kompetenzen und der Vermittlung in Ausbildung. Eine erfolgreiche Berufsausbildung ist ein sehr guter Weg, auf dem junge Geflüchtete für die Betriebe perspektivisch zu Fachkräften werden. Dafür sind deutsche Sprachkenntnisse und insbesondere berufsbezogene Sprachkenntnisse unerlässlich.
 
Ein Integrationskurs reicht deshalb für den Betriebsalltag in der Regel nicht aus. Geflüchtete brauchen hier mehr passende Angebote. Sinnvoll wäre hier mehr Unterricht in Kleinstgruppen, geförderter Einzelunterricht sowie Online-Angebote wie Webinare. Insgesamt kommt es darauf an, die Sprachkurse räumlich und zeitlich flexibler sowie inhaltlich praxisnäher zu gestalten.
 
Unternehmen müssen sich zugleich auf eine einheitliche und transparente Verwaltungspraxis verlassen können. Der DIHK hatte sich für die Einführung der 3+2-Regulung zur Ausbildungsduldung eingesetzt, damit Unternehmen mit ihren Auszubildenden genau diese Verlässlichkeit haben. Nun  wechseln Geflüchtete nach ihrer dreijährigen Ausbildung zunehmend in die anschließende zweijährige Beschäftigung.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Leider legen Ausländerbehörden bei der Erteilung des zweijährigen Aufenthalts zum Teil allerdings unterschiedliche Kriterien an. Das betrifft insbesondere das Sprachniveau als Voraussetzung für die Erteilung dieses Aufenthaltstitels.
 
Aus DIHK-Sicht muss hier die Verwaltung durchgängig und bundesweit einheitlich von ausreichenden Sprachkenntnissen ausgehen, denn die jungen Menschen haben schließlich bereits schriftliche und mündliche Ausbildungsprüfungen in deutscher Sprache erfolgreich absolviert. Es macht keinen Sinn, dass einige Ausländerbehörden dennoch zusätzliche Sprachzertifikate verlangen.“