Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft erfordert mehr technische Fachkräfte. Besonders groß ist die Lücke bei Berufen, die spezielles Wissen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) erfordern. Dabei geht es nicht nur um Ingenieure, Forscher und IT-Spezialisten, sondern vor allem um beruflich qualifizierte Fachkräfte. Demografische Entwicklung und Digitalisierung verschärfen diesen Engpass zusätzlich.
 
Nur leichte Entspannung beim MINT-Fachkräfteengpass
Während sich die Quoten der MINT-Absolventen unter den Akademikern insgesamt positiv entwickeln, gibt es immer weniger beruflich qualifizierten MINT-Fachkräftenachwuchs. Laut MINT-Frühjahrsreport 2019 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln fehlen aktuell mehr als 300.000 Fachkräfte. Das bedeutet zwar im Vergleich zum Vorjahr eine minimale Verbesserung, aber immer noch die zweitgrößte Besetzungslücke seit Beginn des Reports 2011.
 
Gleichwertigkeit von Beruflicher und akademischer Bildung
Das berufliche und das akademische Bildungssystem in Deutschland sind traditionell wenig miteinander verbunden. Viele Menschen verbinden mit einem Studium nach wie vor die Erwartung an das Garantieversprechen "akademische Bildung gleich erfolgreiche Laufbahn und gutes Einkommen". Doch die Realität in den Unternehmen zeigt, dass viele Karrieren mit einer Berufsausbildung beginnen und durch berufliche Weiterbildung bis in die Führungspositionen der Wirtschaft fortgesetzt werden.
 
Berufsorientierung an allen Schulformen stärken
Aufgrund des großen MINT-Fachkräftemangels suchen immer mehr Betriebe nach neuen Wegen in ihrem Personal- und Ausbildungsmanagement. Um den von der Wirtschaft dringend benötigten MINT-Fachkräftenachwuchs gewinnen zu können, bedarf es aber auch einer verstärkten Berufsorientierung in den letzten Schuljahren. Gerade Schülerinnen und Schüler an Gymnasien wissen zu wenig über die vielfältigen technischen Berufe im dualen Ausbildungssystem.

Informationen über die Gleichwertigkeit Beruflicher und akademischer Bildung und die attraktiven Einkommens- und Karriereperspektiven sind wichtig für eine fundierte Entscheidungsfindung. Auch frühzeitige Projekte in Kitas und Schulen und ein praktisches Erleben von Berufen haben sich bewährt, um junge Menschen für MINT-Themen zu interessieren.
 
Geschlechterklischees aufbrechen: Mehr Frauen in MINT-Berufe
Laut der Statistik der Bundesagentur für Arbeit wurden 2017 rund 174.000 duale Ausbildungsverträge in MINT-Ausbildungsberufen neu abgeschlossen. Mit gut elf Prozent war der Anteil der Frauen weiterhin sehr gering. Zu oft folgen Jugendliche auch heute noch überlieferten Geschlechterklischees und schränken damit ihre Berufs- beziehungsweise Studienwahl unnötig ein. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, dass Mädchen trotz gleicher Kompetenzen ihre Mathematik-Fähigkeiten bereits in der fünften Klasse niedriger einschätzen als Jungen. MINT-Fächer finden bei der Berufswahl in der Folge oftmals wenig Berücksichtigung.