Mit der Novelle der Handwerksordnung (HwO) im Jahr  2004 wurden zahlreiche Berufe  „meisterfrei“. Sie konnten als sogenannte zulassungsfreie  Handwerke ohne meisterliche  Qualifikation selbstständig  ausgeübt werden. Nunmehr sieht die Bundesregierung Anlass, einige dieser Berufe wieder der Meisterpflicht zu unterwerfen. Das entsprechende Gesetz trat Anfang Februar in Kraft. 
 

Folgende Berufe sollen ab 2020 wieder meisterpflichtig werden:
• Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
• Drechsler und Holzspielzeugmacher
• Betonstein- und Terrazzohersteller
• Böttcher
• Estrichleger
• Glasveredler
• Behälter- und Apparatebauer
• Schilder- und Lichtreklamehersteller
• Parkettleger
• Orgel- und Harmoniumbauer
• Rollladen- und Sonnenschutztechniker
• Raumausstatter  
 
Welche IHK-Betriebe sind betroffen?
Von dieser Gesetzesänderung sind nicht nur Unternehmen betroffen, die schon bisher der  Handwerkskammer angehört haben, es können auch Betriebe betroffen sein, die bislang  ausschließlich IHK-zugehörig sind. Es handelt es sich dabei vor allem um die Betriebe,  die bislang eine der oben aufgeführten Tätigkeiten neben ihrer Handels- oder Dienstleistungstätigkeit in untergeordneter Weise in  ihrem IHK-Betrieb ausführen. Wer also beispielsweise einen Fliesenhandel betreibt und Fliesenverlegung und -arbeiten anbietet, war bisher in vielen Fällen nicht bei  der Handwerkskammer im Verzeichnis der  zulassungsfreien Handwerke eingetragen,  wenn der Handel die umsatzstärkere Tätigkeit darstellte. Gleiches gilt zum Beispiel  auch für Werbeagenturen, die Werbeschilder  als Lichtreklame selbst herstellen.
 
Bestandsschutz, aber…
Der für die „Rückvermeisterung“ vorgelegte Gesetzentwurf sieht für diese Unternehmen vor, dass sie auch weiterhin ihre handwerklichen Tätigkeiten im Nebenbetrieb ausüben  können und dürfen. Allerdings müssen sie innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes einen Antrag  auf Eintragung in die Handwerksrolle stellen.  Hiervon ausgenommen sind Unternehmen, bei denen die handwerkliche Tätigkeit im  Rahmen eines unerheblichen handwerklichen Nebenbetriebs ausgeübt wird. Die IHK berät gerne hierzu.
 
Was ist ein unerheblicher handwerklicher Nebenbetrieb?
Voraussetzung für einen solchen Nebenbetrieb ist das Bestehen eines Hauptbetriebs, bei dem der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt.  Haupt- und Nebenbetrieb müssen fachlich, organisatorisch und wirtschaftlich verbunden sein. Handwerkliche Nebenbetriebe müssen grundsätzlich in der Handwerksrolle  eingetragen werden. Dies gilt nicht, wenn die Tätigkeit im Nebenbetrieb lediglich in unerheblichem Umfang ausgeübt wird. Die Tätigkeit darf dabei die durchschnittliche Arbeitszeit eines ohne  Hilfskräfte Vollzeit arbeitenden Betriebes des  betreffenden Handwerkszweiges während  eines Jahres nicht überschreiten (etwa 1.664  Stunden/Jahr). Diese Grenze gilt auch für Ein-Personen-Betriebe.  Betroffene Unternehmen müssen für die  Eintragung in die Handwerksrolle lediglich  nachweisen, dass sie bereits vor Inkrafttreten  der Gesetzesänderung handwerkliche Tätigkeiten ausgeführt haben, nicht aber, dass  eine meisterliche Qualifikation vorliegt. Es  gibt hier also Bestandsschutz für die bestehenden Unternehmen: sie sollen keine zusätzlichen Anforderungen erfüllen müssen  außer der Eintragung in die Handwerksrolle.  Der Nachweis kann zum Beispiel durch die  Gewerbeanmeldung oder durch entsprechende Rechnungen erfolgen. Allerdings ist damit zukünftig eine (zusätzliche) Mitgliedschaft bei der Handwerkskammer mit einer grundsätzlichen Beitragszahlungspflicht verbunden sowie eine  Gebührenzahlung für die Eintragung.
 
Beitragsregelung für IHK- und HwK-zugehörige Betriebe (Mischbetriebe)
Eine Beitragspflicht bei der IHK besteht für  gemischt-gewerbliche Unternehmen erst,  wenn der Gewerbebetrieb nach Art und  Umfang einen in kaufmännischer Weise  eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert  und der Umsatz des nichthandwerklichen/ nichthandwerksähnlichen Betriebsteils über  130.000 Euro im Jahr beträgt. Ende des Bestandsschutzes Ändert sich später die personelle Zusammensetzung der Unternehmensleitung, muss  innerhalb von sechs Monaten die notwendige handwerkliche Qualifikation, also grundsätzlich das Vorhandensein eines Meisters,  nachgewiesen werden und ein entsprechen- der Eintrag in die Handwerksrolle erfolgen. Was ist zu tun? IHK-Unternehmen, die ihren Umsatzschwer- punkt im Handel oder in der Erbringung  von Dienstleistungen haben und daneben  handwerkliche Leistungen aus den oben  genannten Berufen erbringen, die in einem  wirtschaftlich-technischen Zusammenhang  zur nichthandwerklichen Tätigkeit stehen,  sollten ihre IHK kontaktieren und das weitere  Vorgehen besprechen. Natürlich stehen auch  die Handwerkskammern für Auskünfte zur  Verfügung