Der Fachkräftemangel im Südwesten spitzt sich weiter zu. Haupttreiber ist vor allem der demografische Wandel, der das Arbeitskräftepotential schrumpfen lässt. Der gestiegene Fachkräftemangel geht aus dem aktualisierten Fachkräftemonitor des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) hervor, der das Angebots- und Nachfragepotenzial der baden-württembergischen Fachkräfte bis ins Jahr 2035 darstellt.

„Die duale Berufsausbildung ist wichtiger als je zuvor! Trotz der derzeit schwierigen Situation aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie werden in der Zukunft Fachkräfte mit einer Berufsausbildung noch wichtiger für die Wirtschaft“, sagt BWIHK-Vizepräsidentin Marjoke Breuning. Der Demografische Wandel führt dazu, dass die Fachkräfte und die Belegschaft in den Unternehmen deutlich älter werden. So berechnet der IHK-Fachkräftemonitor einen Anstieg des durchschnittlichen Alters im Jahr 2021 von 45,2 Jahren auf 49 Jahren im Jahr 2035. Aufgrund der in den nächsten Jahren in den Ruhestand eintretenden Erwerbstätigen aus den geburtenstarken Jahrgängen sinkt das Angebotspotenzial enorm. Im Jahr 2035 werden der baden-württembergischen Wirtschaft 863.000 Fachkräfte fehlen – davon entfallen 792.000 Personen auf berufsqualifizierte Fachkräfte. Fast jede vierte Stelle wird unbesetzt bleiben.

Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Entwicklung in Baden-Württemberg im Frühjahr 2020 einbrechen lassen. Die Industrie mit ihren verbundenen Branchen haben in der zweiten Jahreshälfte 2020 begonnen, sich zu erholen. Die von Geschäftsschließungen und Tätigkeitsbeschränkungen betroffen Branchen bleiben dagegen in kritischer Lage. „Das Personal in den stark betroffenen Branchen hat sich im letzten Jahr umorientiert. Das sind Fachkräfte, die schmerzlich vermisst werden. Um jetzt wiederanzufahren, fehlt das Fachpersonal – das trifft insbesondere auf die Hotellerie und Gastronomie aber auch den Einzelhandel zu. Gleichzeitig erhöht das aber die Chancen auf Erfolg für Ausbildungsplatzsuchende in diesen Branchen“, so Breuning.

Zu den besonders gefragten Fachkräften mit Berufsausbildung gehören auch wirtschaftsnahe und beratende Dienstleistungen. Von der Pandemie ebenfalls betroffen sind die exportabhängigen Branchen, wie beispielsweise der Fahrzeug- und Maschinenbau. Entgegen den Erwartungen hinsichtlich des Transformationsprozesses in Baden-Württemberg, gibt es in diesen Bereichen ebenfalls einen großen Fachkräfteengpass. So fehlen im Jahr 2035 45.000 berufsqualifizierte Fachkräfte im Fahrzeugbau und 42.000 berufsqualifizierte Fachkräfte im Maschinenbau.

Eine Berufsausbildung wird nicht nur für junge Menschen interessant, hinsichtlich der steigenden Nachfrage nach berufsqualifizierten Fachkräften, sondern auch die monetären Chancen, die sich daraus entwickeln. „Die duale Berufsausbildung bietet beste Einstiegschancen, eine hohe Jobsicherheit und gute Verdienstmöglichkeiten“, betont BWIHK-Vizepräsidentin Breuning. Dass eine Berufsausbildung hinsichtlich des Lebenseinkommens im Vergleich zu Akademikereinkommen attraktive Verdienstmöglichkeiten bietet, zeigt auch die vom BWIHK im Jahr 2019 initiierte und vom Institut für angewandte Wirtschaftsforschung verfasste Studie zur Bildungsrendite. Demnach haben Personen, die nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung noch einen Meister oder Techniker-Abschluss erlangen, bis ins 60. Lebensjahr ein höheres Lebenseinkommen als akademisch Qualifizierte.

„Die Aufstiegschancen mit der Höheren Berufsbildung sind ungebrochen. Die duale Berufsausbildung bietet eine gute Basis, auf der man mit einer Weiterbildung aufbauen kann“, betont die BWIHK-Vizepräsidentin. Und auch Kurzentschlossene haben noch die Möglichkeit eine Ausbildung in diesem Herbst anzufangen. Allein in der IHK-Lehrstellenbörse sind im Südwesten noch über 5.500 Stellen frei. „Die Devise heißt: Jetzt bewerben! Nicht länger warten“, so Breuning. Die Kammern im Südwesten haben auch deshalb für den „Sommer der Berufsausbildung“ ihre Aktionen landesweit intensiviert und helfen bei der Vermittlung junger Menschen. „Eine Berufsausbildung lohnt sich nicht nur finanziell für die heutige Jugend, sondern ist auch essenziell für den Erfolg und Fortbestand der baden-württembergischen Wirtschaft“, so die BWIHK-Vizepräsidentin.