IHK + Region

10. Juni 2020
Corona-Nachwirkungen

Corona und Logistik

Mehr Verlierer als Gewinner.
Im Verkehrsgewerbe stellt sich  das Lagebild, das durch die Corona-Krise hervorgerufen wurde  differenziert dar. Die Coronakrise hat Deutschland und die Welt fest im Griff  – die Auswirkungen werden  auch die Logistikbranche  schwer treffen.
 
Güterverkehr und Logistik
Es gibt einzelne Betriebe die gut zu tun haben. So beispielsweise Unternehmen, die Alkohol transportieren, welcher auch für die Produktion von Desinfektionsmitteln verwendet wird  sowie Transporteure für Schutzkleidung oder  Gesichtsmasken. Zustelldienste, die vom gestiegenen Online-Handel profitieren, sind gut   ausgelastet. Auch die Lebensmittellogistik hat noch Aufträge, aber hier fängt die Differenzierung bereits an. Während der Einzelhandel geöffnet hat, werden durch diese Sparte aber auch Gastronomie und Betriebe (Kantinen) beliefert.  Hier geht der Umsatz natürlich gegen Null. So, dass auch in der Lebensmittellogistik ein Umsatzrückgang verzeichnet wird.
 
Binnenschifffahrt
Ein Problem der Binnenschifffahrt ist, dass es hier viele Arbeitsnehmer gibt, die aus osteuropäischen Staaten stammen. Da sowohl in Polen  als auch in Tschechien ein verschärftes Grenzregime herrscht, kamen diese Mitarbeiter aus  dem Wochenend-Besuch in der Heimat nicht  mehr zurück, da sie dort den Quarantänemaß- nahmen unterliegen. Dagegen geht hier das Transportvolumen nicht so stark zurück wie bei anderen Verkehrsträgern. Das liegt vor allem daran, dass mit dem Binnenschiff oft Massengüter transportiert werden, bei denen die  Nachfrage nicht eingebrochen ist. Dazu zählen Dünge- und Futtermittel für die Landwirtschaft, Treibstoffe, Chemikalien und Baustoffe.
 

Im Verkehrssektor gibt es mit Sicherheit mehr Verlierer als Gewinner.

Eisenbahnverkehr
Im Eisenbahnverkehr geht das Frachtaufkommen ebenfalls zurück. Der Nachfragerückgang im Automotive-Sektor ist spürbar. Auch hier gibt es im Detail Schwierigkeiten. Da in manchen Bundesländern Beherbergungsbetriebe gänzlich geschlossen sind, ist es schwer, für Lokführer und andere Beschäftigte Unterkünfte zu  erhalten. Es ist üblich, dass ein Lokführer nach Ende der Schicht an einem anderen Ort über- nachtet und am Folgetag zum Stationierungsort fährt.
 
Luftverkehr
Der Luftverkehr ist fast gänzlich eingebrochen.
 
Personenverkehr
Der Reisebusverkehr ist behördlich untersagt.  Da die meisten Reisbusunternehmen als zweites Standbein auch noch Reisebüros betreiben, die vor allem damit beschäftigt sind, die Stornos der Kunden durchzuführen und dafür noch die  Provisionen an die Reiseveranstalter zurückerstatten müssen, ist dieses Gewerbe massiv betroffen. Der Linienverkehr wurde auf den Ferienfahrplan eingedampft. Die Einnahmeverluste tragen hier auch vielfach die Busunternehmen. Ob die Landkreise diese auffangen werden – wie es etwa beim Schienenpersonennahverkehr das Land macht – ist derzeit noch nicht klar. Beim Taxenverkehr sind die Beförderungsfälle eingebrochen. Hier fehlen die Fahrgäste im  Freizeitverkehr ebenso wie der Geschäftsreise- verkehr. Erschwert wird die Situation, da durch  behördliche Auflagen die Anzahl der Fahrgäste beschränkt wird und auch hier spezielle Vorkehrungen getroffen werden müssen (Spritzschutz  zwischen Fahrgastraum und Fahrer). Gleich- zeitig haben Taxen eine Betriebs- und Beförderungspflicht, dadurch können auch nicht allzu  viele Sparmaßnahmen ergriffen werden. Im Verkehrssektor gibt es folglich mit Sicherheit mehr Verlierer als Gewinner.