Indien ist derzeit stark von Covid-19 betroffen – viele deutsche Unternehmen beliefern das Land in dieser Situation mit lebensnotwendigen Gütern. Die Deutsch-Indische Handelskammer unterstützt dabei mit einer eigens eingerichteten Plattform. Die starke Betroffenheit von der Pandemie lenkt die Aufmerksamkeit derzeit auf Indien – doch es gibt auch viele Gründe für einen stärkeren wirtschaftlichen Fokus auf das Land.
 
Viertwichtigster Handelspartner Deutschlands im Asien-Pazifik-Raum
Indien rangiert bei der Bevölkerung mit 1,3 Milliarden Einwohnern nur knapp hinter China. Die Bevölkerung ist jung und dynamisch; die Wirtschaft wächst. Gleichzeitig positioniert sich der Subkontinent in der Boom-Region Asien-Pazifik als ökonomische Alternative zu China. In Zeiten zunehmender internationaler Handelskonflikte und einer Erosion der Welthandelsregeln gewinnt der deutsch-indische Warenaustausch an Dynamik und Intensität: Das bilaterale Handelsvolumen betrug im Jahr 2020 knapp 20 Milliarden Euro. Damit ist Indien viertwichtigster Handelspartner Deutschlands im Asien-Pazifik-Raum. Knapp 2.000 deutsche Unternehmen sind mit eigenen Niederlassungen vor Ort vertreten – mit insgesamt über 500.000 Beschäftigten.
 
Neuer Indopazifik-Fokus Europas
Vor dem Hintergrund von Entkoppelungstendenzen zwischen China und den USA und Lieferkettenproblemen in der Corona-Situation möchten Deutschland und die EU eine Diversifizierung ihrer internationalen Handelsverflechtungen vorantreiben. Indien soll hierfür im asiatischen Raum eine bedeutende Rolle zukommen. Seit Anfang 2021 hat die EU eine eigene Strategie für Kooperationen im Indopazifik. Deutschland hatte bereits 2020 seine Indopazifik-Leitlinien bekannt gegeben. Zentrale Punkte sind eine stärkere Kooperation bei globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel und die Reform der Welthandelsregeln. Auch der Schutz von Lieferketten und die Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung, Innovation und Digitalisierung spielen eine Rolle. Für deutsche Unternehmen könnten hierbei neue Markt-, Absatz- und Innovationschancen entstehen.
 
Ambitionierte Handelsverhandlungen
Deutschland zählt zu Indiens zehn wichtigsten Handelspartnern, so dass der virtuelle EU-Indien-Gipfel am 8. Mai eine wichtige Wegmarke für die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen war. Dabei wurden die seit 2013 ruhenden Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen wieder gestartet – ein wichtiges Zeichen für regelbasierten Handel und fairen Wettbewerb zwischen diesen beiden großen Wirtschaftsregionen. Hier sind mit Blick auf die indische G20-Präsidentschaft 2023 Fortschritte zu erwarten. Zudem wurden ein bilaterales Investitionsabkommen sowie ein Abkommen zum Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen wie etwa Bayerisches Bier, Moselwein oder Lübecker Marzipan forciert. Und nicht zuletzt haben die EU und Indien eine umfassende Konnektivitätspartnerschaft zur besseren wirtschaftlichen Vernetzung sowie eine Arbeitsgruppe für resiliente Lieferketten gegründet. Deutsche Unternehmen könnten von Zollsenkungen und einem Abbau von Handelshürden profitieren – etwa in den Bereichen Digitalisierung, Maschinen, Kraftfahrzeuge, Textilien, Pharma und Chemie. Ein ergänzender Ausbau der Handelsbeziehungen in Südostasien durch Abkommen etwa mit Indonesien, den Philippinen, Thailand, Malaysia sowie Australien und Neuseeland könnte die Chancen für die deutsche internationale Wirtschaft überdies erhöhen.