Es ist eine weltweit beunruhigende Entwicklung: Um 80 bis 100 Prozent haben sich zuletzt nahezu alle Rohstoffpreise verteuert. Die Betriebe können schwer oder gar nicht mehr einschätzen, ob und wann erforderliche Ressourcen verfügbar sein werden. Lieferzusagen werden nicht mehr eingehalten, berichten Unternehmen.

Seit Monaten sind bereits die Halbleiter Mangelware – mit massiven Folgen unter anderem für die Autoindustrie. Denn durch den Corona-Nachfrage-Stopp der Autoindustrie haben die Chiphersteller Kapazitäten verschoben. Nun sind auch für eine Reihe von Rohmaterialen erhebliche Preissteigerungen und Lieferausfälle zu beklagen. Besonders betroffen sind Metalle, Mineralien, Kunststoffe sowie Holz.

Zentrale Ursache sind nach überwiegender Meinung die Folgen der Corona-Pandemie: Nachdem Rohstofflieferanten ihre Produktion zunächst nach unten angepasst hatten, kommen sie nun bei schnell anspringender Nachfrage mit den Lieferungen nicht nach. Dazu kommen Lieferverzögerungen und kräftige Preisaufschläge durch fehlende Frachtkapazitäten. Selbst die Blockade des Suez-Kanals wirkt nach.

Ursachen für den Rohstoffmangel im Überblick
  • Hohe Nachfrage aus den USA durch die Konjunkturpakete und anziehende Wirtschaft
  • Hohe Nachfrage aus Asien (China), etwa in Bezug auf Buntmetalle
  • Steigender Bedarf durch E-Mobilität für Lithium und Kobalt, ebenso steigender Bedarf für erneuerbare Energien (Windkraft: Seltene Erden; Photovoltaik: Silizium/Polysilizium)
  • Halbleiterboom für Chips sorgen für hohe Nachfrage an hochreinem Silizium und Gallium.
  • Durch den Corona-Nachfrage-Stopp der Autoindustrie haben die Chiphersteller sich umorientiert.
  • Produktionsausfälle bei Platingruppenelementen in Südafrika (Corona) und Russland (Shutdowns in Bergwerken und der Norilsk-Raffinerie)
  • Hohe Umweltauflagen in China, etwa bei Aluminium
  • Leere London Metal Exchange (LME) -Lager bezüglich Zinn
  • Wiederauffüllen der Lager in der Lieferkette
  • Erhöhung der Lagerkapazitäten zur Stärkung der Resilienz 
Mögliche Lösungsvorschläge gegen die Rohstoffknappheit

Innerhalb der EU könnten Kapazitäten aufgebaut oder wieder in Betrieb genommen werden, etwa durch Förderung der heimischen Produktion, insbesondere bei systemrelevanten Produkten. Die Kreislaufwirtschaft könnte bei absehbar knappen Rohstoffen beschleunigt ausgebaut werden. 

Rasche und nachhaltige Verhandlungslösungen für die Handelskonflikte der EU mit den USA sollten rasch vorangetrieben werden, um eine bessere Versorgungslage zu ermöglichen.

Handelsabkommen weiterverhandeln

Zielführend wäre auch, Exportverbote durch Klagen der EU in der WTO zurückzudrängen. Auch bestehende und insbesondere neue Abkommen mit wichtigen Handelspartnern, die Exportverbote verbieten, sind relevant – etwa mit Mercosur, Indien, China, ASEAN, Afrika, den USA oder Australien.

Ein weiteres Mittel, den Rohstoffmangel zu mindern, wäre, die in der WTO festgelegten Zollsätze temporär zu reduzieren oder auszusetzen. Dies könnte für die betroffenen Produktgruppen rasch geprüft und umgesetzt werden.

Weitere Informationen zur Situation einzelner Rohstoffgruppen finden Sie unter untenstehendem Link.