Wirtschaftliche Aufholeffekte sorgen bei exportaktiven Industrieunternehmen für vorsichtigen Optimismus, zugleich herrscht wegen anhaltender Corona-Beschränkungen insbesondere bei den vom Lockdown betroffenen Branchen weiterhin erhebliche Zurückhaltung. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 27.000 deutschen Unternehmen aller Regionen und Wirtschaftszweige. 
 
Insgesamt verbessert sich die Lage der Betriebe im Frühsommer zwar merklich, die Bewertungen liegen aber weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Derzeit beurteilen 32 Prozent der Befragten ihre Geschäfte als gut, 30 Prozent als schlecht. Der Saldo aus besserer und schlechterer Beurteilung der aktuellen Lage steigt damit auf 2 Punkte nach minus 3 Punkten in der Vorumfrage von Jahresbeginn.
Auch die Zukunftserwartungen hellen sich etwas auf. 25 Prozent rechnen mit besseren, 24 Prozent mit schlechteren Geschäften. Für das laufende Jahr prognostiziert der DIHK ein Wachstum von 3,0 Prozent – nach einem Wirtschaftseinbruch von minus 4,8 Prozent im Vorjahr.
 
Lockdown-Branchen teils weiter verschlechtert, Industrie optimistisch
Je nachdem, wie stark ihre Geschäfte von den Corona-Beschränkungen beeinträchtigt sind, schätzen die Wirtschaftsbereiche die wirtschaftliche Situation sehr unterschiedlich ein. So hat sich die Geschäftslage in den vom Lockdown betroffenen Branchen im Vergleich zum Jahresbeginn teilweise weiter verschlechtert. Das gilt etwa für Betriebe aus Kunst, Kultur und Erholung, von denen 81 Prozent schlechte Geschäfte melden. Historisch schlecht bleibt die Lagebewertung dort, wo die Aktivitäten weitgehend ruhen müssen: 86 Prozent der Gastronomen, 92 Prozent der Beherbergungsbetriebe und 94 Prozent der Reisevermittler berichten von schlechten Geschäften.   
 
Dagegen verbessert sich die Lage der Industrieunternehmen im Durchschnitt deutlich – eine kräftige positive Tendenz zeigt sich etwa bei Unternehmen aus dem Maschinenbau, dem Fahrzeugbau oder der Elektrotechnik. Auch Vorleister wie die chemische Industrie, Betriebe der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie der Metallerzeugung und -bearbeitung zeigen sich optimistischer.

Für das laufende Jahr prognostiziert der DIHK ein Wachstum von 3,0 Prozent – nach einem Wirtschaftseinbruch von minus 4,8 Prozent im Vorjahr.

 
Auslandsnachfrage zieht an
Ein möglicher Grund ist die konjunkturelle Erholung in wichtigen Absatzmärkten wie China und den USA, die die Nachfrage nach Produkten "made in Germany" ankurbelt. So verliert die Auslandsnachfrage, die zu Jahresbeginn noch von 50 Prozent der Befragten als Risiko genannt wurde, mit aktuell 37 Prozent deutlich an Bedeutung.
 
Die Exporterwartungen fallen im Vergleich zu den Vorumfragen erneut zuversichtlicher aus. Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer Zunahme der Ausfuhren in den nächsten zwölf Monaten, 16 Prozent mit einem Rückgang. In der Vorumfrage gingen noch 21 Prozent von sinkenden Exporten aus.
Die positiven Exportaussichten in der Industrie kommen auch dem Großhandel und den Handelsvermittlern zugute, wohingegen der verbrauchernahe und binnenmarktorientierte Einzelhandel seine Geschäftslage nochmals schlechter bewertet.  
 

Lieferengpässe, Handelsrestriktionen und eine hohe globale Nachfrage führen etwa bei Holz, Kunststoffen, Baumaterial oder Stahl aktuell zu stark steigenden Preisen.
 

Energie und Rohstoffe werden zunehmend zum Engpass
Als Belastung für einen breiten Wirtschaftsaufschwung kristallisieren sich vor allem hohe Preise und Knappheiten bei Energie und Rohstoffen heraus, die als Geschäftsrisiko im Vergleich zur Vorumfrage sprunghaft ansteigen (von 30 auf 42 Prozent). Lieferengpässe, Handelsrestriktionen und eine hohe globale Nachfrage führen etwa bei Holz, Kunststoffen, Baumaterial oder Stahl aktuell zu stark steigenden Preisen.
Auch Fachkräfteengpässe werden wieder deutlicher (43 Prozent nach 38 Prozent zu Jahresbeginn). Die dominierenden Geschäftsrisiken sind aus Sicht der Unternehmen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (49 Prozent) sowie die Inlandsnachfrage (48 Prozent).
 
43 Prozent der Betriebe mit Finanzierungsproblemen
Die Finanzlage der Unternehmen erholt sich nur sehr langsam. Noch immer beurteilen 43 Prozent der Betriebe ihre eigene Finanzierungssituation als problematisch. Im Vordergrund steht vor allem der Eigenkapitalrückgang (24 Prozent) sowie Liquiditätsengpässe (19 Prozent). Von einer Pleite sehen sich über die Breite der Wirtschaft 5 Prozent der Unternehmen bedroht.
 
Die angespannte Finanzlage drückt insbesondere im Handel auf die Investitionsabsichten. Insgesamt gleichen sich expansive und restriktive Investitionspläne mit je 26 Prozent der Unternehmen aus. Der Saldo liegt damit weiter unter dem langjährigen Mittel von vier Punkten.
Die Beschäftigungsabsichten verbessern sich leicht, bleiben aber insgesamt verhalten. 16 Prozent der Unternehmen wollen mehr Personal einstellen, 19 Prozent planen einen Abbau.

Informationen zur wirtschaftlichen Lage in der Region Heilbronn-Franken ist, finden Sie in unserem Wirtschaftslagebericht unter untenstehendem Link.