Warum hat sich Bader Ende der 1990er Jahre für Uruguay als Produktionsstandort entschieden?
Die Automobilindustrie hat eine sehr lange Lieferkette, und alle Zulieferer ziehen mit, wenn ein Kfz-Montagewerk in einer Region installiert wird. So war es auch bei Bader, als Daimler beschloss, ein Werk in Brasilien zu bauen und das Umfeld des Mercosur zu nutzen.

Warum Uruguay und nicht in Brasilien oder Argentinien, wie es die meisten Zulieferer der Automobilindustrie im Mercosur tun?
Bader kannte Uruguay schon lange vor seiner Ansiedlung dort, und da der Mercosur ein Handelsblock ist, hat sich das Unternehmen damals für ein Land entschieden, das ihm langfristig mehr rechtliche, politische und wirtschaftliche Sicherheit bot. Was sich letztlich auch bestätigt hat.

Also ist es Ihnen in diesen 20 Jahren gut ergangen in Uruguay?
Wir haben mit Höhen und Tiefen an verschiedenen Projekten gearbeitet. Wir sind auch aufgrund des guten Geschäftsklimas und der klaren Regeln des Landes in Uruguay geblieben.

Welche Perspektiven sehen Sie für Ihr Unternehmen in Uruguay und der Region?
In Uruguay selbst ist die Automobilindustrie nicht sehr wichtig, aber in Brasilien und Argentinien schon. Leider kommen aus den Volkswirtschaften dieser Länder besorgniserregende Signale, insbesondere aus Argentinien. Und dies spiegelt sich in der Anzahl neuer Projekte in der Region wider.

Haben Sie Sorge, dass Brasilien oder Argentinien Ihnen mit willkürlichen Maßnahmen der Handels- und Industriepolitik schaden könnten, die ihnen den Zugang zu diesen Märkten erschweren?
Das ist ein Risiko, das wir immer hatten und weiterhin haben. Protektionistische Maßnahmen gibt es immer wieder. Aber bis jetzt konnten wir solche Probleme durch die Unterstützung des uruguayischen Außenministeriums und auf Basis der bilateralen Abkommen beheben.

Jetzt, 20 Jahre später: Würde sich Bader wieder für Uruguay entscheiden?
Ich glaube ja. Denn die Unterschiede in der Sicherheit für eine langfristige Investition bestehen weiter.

Wie wichtig ist es für Bader, dass das EU-Mercosur-Abkommen ratifiziert wird und in Kraft tritt?
Das ist etwas sehr Wichtiges, für das wir seit vielen Jahren arbeiten. Bisher müssen wir in der EU Zoll zahlen, um unseren Produktion dort zu abzusetzen. Und das benachteiligt uns gegenüber Wettbewerbern.

Zum Unternehmen:
Bader ist einer der international führenden Hersteller von Premiumleder für die Automobilbranche. Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Göppingen unterhält seit mehr als 20 Jahren eine Produktionsniederlassung in Uruguay. Im Laufe der Jahre hat Bader die Wertschöpfung immer weiter gesteigert und exportiert heute von Uruguay aus Premium-Lederteile für Fahrzeugsitze – hauptsächlich nach Europa, Mexiko und in die Nachbarländer.