Geld + Märkte

29. Juni 2020
Kommentar

Deutscher Export nach China wird geringer werden

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier äußert sich zu den wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder.
„China ist für die deutsche Wirtschaft seit 2016 der wichtigste Handelspartner weltweit. Das gesamte Handelsvolumen Deutschlands mit China betrug im Jahr 2019 allein 206 Mrd. EUR. Dabei importieren wir nicht nur eine bedeutsame Summe an Produkten und Dienstleistungen von dort, China ist mittlerweile auch unter den deutschen Exportmärkten unter den Top 3. Ebenso zählt China für eine Mehrheit der international tätigen deutschen Unternehmen zu den Top 3-Märkten mit Blick auf Umsatz, Gewinn und Investitionen. Für 15 Prozent der Betriebe ist China sogar der wichtigste Markt.

Auch geht es bei den wirtschaftlichen Beziehungen mit China längst nicht mehr nur um Handelsvolumina: Rund 5.200 deutsche Unternehmen in China verantworten 1,1 Millionen Jobs in China. Damit ist China in punkto Beschäftigung auch der wichtigste Auslandsstandort für deutsche Unternehmen. Diese Standorte zu ersetzen, würde nicht nur die Produktion von Produkten „made by German Companies“ erheblich verteuern, sondern auch Absatzwege in China und Ostasien versperren. Schätzungsweise 90 Prozent der deutschen Unternehmen in China produzieren für den chinesischen Markt. Aktuell sind gut 800.000 Arbeitsplätze in Deutschland von der Nachfrage chinesischer Kunden abhängig. China nimmt mit 96 Mrd. Euro den hinter den USA (119 Mrd. Euro) und Frankreich (107 Mrd. Euro) dritthöchsten Teil der deutschen Exporte weltweit ab.

Umsatz, Gewinn, Investitionen: China gehört zu den Top 3-Märkten


Der Bestand deutscher Direktinvestitionen in China betrug im Jahr 2018 rund 92 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich vor allem um Greenfield-Investitionen, also neue Produktionsstandorte. Diese lassen sich nicht ohne Weiteres kurzfristig transferieren. Abgesehen davon müsste man zusätzlich zu den Erschließungskosten für neue Standorte die Kosten für die Suche nach neuen Abnehmern rechnen. Auch in Bezug auf die Weiterentwicklung von Produktion, Produkten und Dienstleistungen, gerade im IKT-Bereich, ist zu beachten, dass chinesische Anbieter mittlerweile auf vielen Feldern Innovationstreiber sind. Auf diese Kooperationsmöglichkeiten gänzlich zu verzichten, ist aus ökonomischen Gründen nicht ratsam.

Wie wichtig der chinesische Markt für die deutschen Unternehmen ist, zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse unserer letzten AHK-Geschäftsklimaumfrage in China (vor Ausbruch der Corona-Pandemie): Trotz vielfältiger Herausforderungen und zunehmenden Wettbewerbs im Land planten rund zwei Drittel der befragten Unternehmen keine Anpassungen bei Umsatz, Gewinn, Investitionen und Beschäftigung oder wollten in diesen Bereichen sogar aufstocken.“

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Hintergrund:
Etwa die Hälfte der rund 5.200 deutschen Unternehmen in China sind im Raum Shanghai angesiedelt, etwa 18 % im Nordosten, Raum Peking und 13 % im Süden und Südwesten.  Im Jahr 2019 stand China auf Rang 3 der Exportdestinationen mit 96 Mrd. EUR und beim Import von Waren auf Rang 1 mit 110 Mrd. EUR.
 
In Deutschland sind knapp 2.000 chinesische Unternehmen aktiv. Der Bestand der chinesischen Direktinvestitionen lag Ende 2018 laut Bundesbank bei 5,3 Milliarden Euro.
 
China ist mit einem Einfuhranteil von knapp 10 % der größte deutsche Importlieferant. Auf der Ausfuhrseite gehen knapp 7 % der deutschen Ausfuhren nach China. Das ist zwar weitaus mehr als bei den anderen europäischen Ländern, aber da die deutsche Wirtschaft seit jeher sehr breit diversifiziert ist, fließen knapp 93 % der Warenexporte Deutschlands in andere Länder.
 
Im Langfristvergleich seit 1991 nahmen die deutschen Ausfuhren nach China von kleiner Ausgangsbasis aus um 4.376 Prozent zu, wobei die gesamten deutschen Ausfuhren in alle Länder im Vergleichszeitraum nur um 287 Prozent wuchsen.
 
Faktoren, weshalb der Zuwachs der deutschen Exporte nach China in Zukunft wahrscheinlich geringer ausfallen wird:
 
  1. Chinas Wirtschaft verzeichnete zwischen 2000 und 2010 enorme Wachstumsraten, die aber seit Jahren – auch ohne die Corona-Krise – merklich zurückgingen.
  2. Besonders zu Beginn der dezidierten Industrialisierung Chinas um die Jahrtausendwende gab es eine riesige chinesische Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern. Seit der Verabschiedung der Strategie „Made in China 2025“ im Jahr 2013 verfolgt die chinesische Regierung das Ziel durch einen „home-made“ Innovationsschub zunehmend autark zu werden.