Nur knapp vier Wochen vor dem geplanten Brexit-Datum dominiert das Thema zahlreiche Gespräche, in Berlin ebenso wie in Brüssel.
 
Nicola Sturgeon, First Minister von Schottland, reiste kürzlich eigens nach Berlin, um zu unterstreichen, dass Schottland als Teil von UK daran interessiert ist, die guten bilateralen Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland zu erhalten – auch nach dem Brexit.

Und Michel Barnier, der wenige Tage später nach Berlin kam, hat bei einem Austausch mit der deutschen Wirtschaft klar signalisiert: Die Lage ist kritisch. Seit drei Jahren verhandelt der Chefunterhändler der EU den Brexit. Aufgrund der komplizierten politischen Gemengelage in London, stuft Barnier die Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten Brexit als hoch ein. Die Wirtschaft ist mehr als verunsichert.
 
Der Brexit wirft längst seine Schatten voraus. Seit dem Referendum vor gut drei Jahren gibt es einen deutlichen Rückgang der Im- und Exporte ins Vereinigte Königreich. War Großbritannien 2016 noch auf Platz fünf der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, liegt es in diesem Jahr nur noch auf Platz sieben. Italien und Polen haben das UK überholt.

Die Exporte von Deutschland nach UK sind seit 2016 um mehr als acht Prozent gesunken, während im gleichen Zeitraum die Ausfuhren in die EU um zwölf Prozent gestiegen sind. Bei einem No-Deal-Brexit drohen die Exporte von Deutschland nach UK noch weiter zurückzugehen.
 
Ein ungeregelter Brexit hätte noch weitere Folgen für deutsche Unternehmen: Nach DIHK-Schätzung kämen für die betroffenen Unternehmen jedes Jahr noch Zölle in Höhe von mehreren Milliarden Euro sowie Kosten für die Zollbürokratie von rund 200 Millionen Euro hinzu. Zudem droht zusätzliche Brexit-Bürokratie etwa in den wichtigen Bereichen Transport, Steuern oder Datenschutz sowie große Unsicherheiten beim Aufenthaltsstatus der Mitarbeiter im UK.

Den Unternehmen bleibt indes nichts anderes übrig, als sich mithilfe der Brexit-Checkliste des DIHK auf ein No-Deal-Szenario vorzubereiten. Mehr als 50.000 Abrufe der Checkliste zeigen, dass der Beratungsbedarf hoch ist. Zudem haben seit dem Referendum vor drei Jahren die Industrie- und Handelskammern bereits in mehr als 100.000 Fällen Unternehmen zum Brexit beraten – der Andrang bleibt weiterhin groß.
 
Wie geht es nun weiter? Der britische Premierminister möchte das mühsam mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen neu verhandeln. Demnach möchte er den Backstop – die Notfallregelung zur Vermeidung einer EU-Außengrenze zwischen Irland und Nordirland – streichen.

Die Alternativen, die bisher aus London vorgeschlagen wurden, reichen allerdings nicht aus. Die Zeit drängt – eine zeitnahe Lösung scheint es aber nicht zu geben. Die dringend benötigte Planungssicherheit für Unternehmen ist leider weiterhin nicht in Sichtweite.