Geld + Märkte

05. September 2019
Länderporträt

Uruguay - Drehscheibe für Geschäfte

Die weltgrößte Freihandelszone bietet neue Geschäftsmöglichkeiten für den deutschen Mittelstand.
Der Weg für den Aufbau der weltweit größten Freihandelszone ist 25 Jahre nach dem Beginn der Verhandlungen frei. Gemeinsam repräsentieren die Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) und die Europäische Union zehn Prozent an der Weltbevölkerung, 37 Prozent am weltweiten Handel von Waren und Dienstleistungen und 25 Prozent am globalen Bruttoinlandsprodukt. Das Abkommen ist das wirtschaftlich bedeutendste mit den höchsten Zollsenkungen, das die EU bisher geschlossen hat. Die Zölle sollen nun schrittweise abgebaut werden. Der Handelsvertrag muss nun noch von den beteiligten Staaten in Südamerika und dem Europaparlament ratifiziert werden.
 
Für europäische Unternehmen öffnet sich ein Markt mit rund 260 Millionen Konsumenten, der bisher wegen hoher Einfuhrzölle etwa auf Autoteile, Maschinen oder Medikamente schwierig zu erschließen war und auf dem sie zunehmend durch die Konkurrenz aus Fernost – vor allem China – unter Druck geraten. Dabei kommt Uruguay als Logistikdrehscheibe im Mercosur eine wichtige Funktion im Handel mit den Mercosur-Staaten zu.
 
Uruguay im Blick
Uruguay hat mehr zu bieten als Premium- Rindfleisch und eine lange Fußballtradition. Hohe politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit, ein einheitliches Steuersystem, freier Devisenmarkt, geringe Korruption, gut ausgebildete Fachkräfte, hohe Lebensqualität, freier Devisenverkehr, eine moderne und gut ausgebaute Infrastruktur, gezielte Investitionsförderprogramme und ein liquides Bankensystem mit geringem Kreditrisiko sind nur einige der Attribute, die das Land für internationale Investoren äußerst attraktiv machen.
 
Auf der Liste des Korruptionsindex von Transparency International nimmt Uruguay noch vor Chile den besten Platz in Lateinamerika ein. Auch den Legatum Prosperity Index 2018 führt Uruguay in Südamerika an. Die Heritage Foundation bescheinigt Uruguay den zweitbesten Platz für gewährleistete Gewerbefreiheit in Lateinamerika. Damit nicht genug: weitere internationale Indizes weisen Uruguay in den Feldern von Politik, Wirtschaft sowie sozialer Stabilität Spitzenpositionen in Lateinamerika aus.
 
Dank der staatlichen Investitionsförderungsstrategie und der zuverlässigen wirtschaftspolitischen Lage, ist Uruguay in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um über vier Prozent gewachsen und hat in den letzten zwölf Jahren im Durchschnitt jährlich rund fünf Prozent seines gesamten Bruttoinlandprodukts an ausländischen Direktinvestitionen ins Land geholt. Damit positioniert sich die sogenannte Schweiz Lateinamerikas als der zweitgrößte Empfänger von Direktinvestitionen in der Region und als Vorreiter in Reinvestitionen. Das spiegelt das große Vertrauen der internationalen Business Community wider.
 
Deutsche Direktinvestitionen in Uruguay betrugen 2017 rund 140 Millionen Euro, mit einem Bestand von etwa 628 Millionen Euro. Deutsche Unternehmer profitieren insbesondere vom deutsch-uruguayischen Doppelbesteuerungs- und Sozialversicherungsabkommen sowie durch das bestehende Investitionsförderungs- und -schutzabkommen.
 
Darüber hinaus sieht das Investitionsförderungsgesetz steuerliche Anreize unter anderem auf Investitionen in die ausgewiesenen Freihandelszonen, im Freihafen (dem einzigen der Region) und freien Flughafen sowie in den Industrieparks vor. Dabei bestehen keine Grenzen für die Rückstellung ausländischen Kapitals in Unternehmen, keine lokalen Gegenwertforderungen und ebenso wenig Beschränkungen für die Rückführung von Gewinnen. Hemmend auf die Produktivität Uruguays wirken hohe Bürokratie und der traditionell starke Einfluss der Gewerkschaften.
 
Deutsche Unternehmen schätzen das Land
Steuervergünstigungen sind ein wichtiger Teil des Förderregimes, aber wettbewerbsfähige Kosten und Talente mit angemessenen Qualifikationen stehen ebenfalls im Vordergrund. Dies machte in den letzten Jahren die Diversifizierung der uruguayischen Exporte möglich, zum Beispiel durch die Entwicklung von Produkten beziehungsweise Services mit hohem Mehrwert. Zu nennen sind hier beispielsweise des Shared Service Center von BASF oder der von Merck. BASF wickelt vom Standort Montevideo die komplette Buchhaltung sowie Finanz- und Marketingdienstleistungen für alle Firmenstandorte in Nord- und Südamerika ab.
 
Aber auch kleine und mittlere Unternehmen schätzen das Land. Das deutsche Familienunternehmen Bader aus Göppingen ist seit fast 20 Jahren in Uruguay und entwickelt sein Geschäft mit Gerbstoffen. Heute exportiert es hauptsächlich nach Europa, Mexiko und in den regionalen Markt. Im Laufe der Jahre hat Bader die Wertschöpfung aus dem qualitativ hochwertigen uruguayischen Rohstoff gesteigert und vertreibt heute Premium-Produkte für die Automobilindustrie – unter anderem die Herstellung von Abdeckungen und Teilen für Fahrzeugsitze.
 
Derzeit ist Deutschland der wichtigste europäische Handelspartner Uruguays. Rund 40 deutsche Unternehmen sind in Uruguay in verschiedenen Geschäftsfeldern wie zum Beispiel der chemischen und pharmazeutischen Industrie, Transport und Logistik, sowie Maschinen, Energie, Telekommunikation und Landwirtschaft aktiv.
 
Mit seinen rund 3,5 Millionen Einwohnern zählt Uruguay zu den kleineren Märkten auf dem Kontinent. Durch seine strategische Lage bietet das Land am Rio de la Plata aber Zugang zu mehr als 260 Millionen Konsumenten im Mercosur, dem gemeinsamen Markt im südlichen Lateinamerika. Diese strategische Lage bietet deutschen Unternehmen die Möglichkeit, in einem relativ sicheren wirtschaftspolitischen Umfeld und einer kulturell an europäischen Werten und Gewohnheiten ausgerichteten Bevölkerung ihre Produkte und Services zu testen und damit den Markteintritt in Südamerika anzugehen. Dabei nutzen zahlreiche deutsche Unternehmen den Standort als Gateway, regionales Hub beziehungsweise Distributionszentrum, um die Geschäftsaktivitäten auf andere Länder auszuweiten oder zu managen.
 
Uruguay exportiert hauptsächlich Zellulose, frisches und gekühltes Rindfleisch, Holz, Leder und Häute sowie Sojabohnen. Das Label Made in Germany genießt ein hohes Ansehen im Land. Qualität und Nachhaltigkeit wird seitens der Kunden sehr geschätzt. Deutschland exportiert vor allem Maschinen, Arzneimittel, Reinigungsmittel/ Kosmetik, Kfz und Kfz-Teile, Elektrotechnik sowie Mess- und Regeltechnik.

Freizone Zonamerica, Montevideo

Uruguay als Nischenmarkt und Showcase in der Region
Zusammen mit Deutschland, Dänemark und Irland ist Uruguay weltweit führend auf dem Gebiet der Erzeugung nachhaltiger Energien. Bereits 98 Prozent des Stroms werden heute aus erneuerbaren Energien gespeist, der Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergiematrix beträgt schon 62 Prozent.
 
Neben der Energiewende schickt sich Uruguay nun auch an, die Mobilitätswende hin zu Elektromobilität und Wasserstoff einzuleiten und etabliert sich damit als Vorreiter der Region. Zwischen 2010 und 2016 wurden rund 7,8 Milliarden US-Dollar in die Energieinfrastruktur investiert. Davon waren rund 4,7 Milliarden Dollar Investitionen in saubere Energien. Investitionen in die Energieinfrastruktur bleiben zudem eines der zentralen Ziele der uruguayischen Regierung. So sind beispielsweise rund 4,2 Milliarden der insgesamt zwölf Milliarden Dollar des Infrastrukturplans 2015-2019 für den Energiesektor vorgesehen.
 
Uruguay ist das erste Land der Welt, das Cannabis weitgehend legalisiert und den Erwerb in ausgewählten Apotheken des Landes ermöglicht hat, wo bei steigender Nachfrage derzeit rund 30.000 Menschen für den Kauf registriert sind. Erste Projekte mit therapeutischer, veterinärmedizinischer und sogar kosmetischer Ausrichtung mit einem Volumen von über 100 Millionen US-Dollar sind in Umsetzung.
 
AHK Uruguay
Seit über 100 Jahren vertritt die AHK Uruguay die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen und der deutschen Wirtschaft vor Ort. Mit rund 300 Mitgliedern ist sie die mit Abstand größte und bedeutendste binationale Handelskammer in Uruguay und verfügt über ein etabliertes Netzwerk zu Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft.
 
Die AHK Uruguay ist die erste Adresse für interessierte deutsche und uruguayische Unternehmen und bietet alle notwendigen Hilfestellungen für Markteinstieg und Markterweiterung.