Das Vereinigte Königreich hat eine neue Regierung. Der Premierminister Boris Johnson hat mehrfach angekündigt, er werde Großbritannien mit oder ohne Deal am 31. Oktober aus der EU führen. Die EU-27 haben erklärt, das Austrittsabkommen könne nicht nachverhandelt werden. Lediglich bei der Erklärung zu den zukünftigen Beziehungen gibt es Möglichkeiten zum Nachverhandeln, bisher jedoch fehlt es an ernstzunehmenden Vorschlägen aus London.

Ein ungeregelter Brexit scheint wahrscheinlicher zu werden. Eine der unzähligen negativen Folgen eines ungeregelten Brexit wäre, dass sämtliche rechtliche Grundlagen des Flugverkehrs von der EU in das UK und vice versa entfallen würden.
 
Wöchentlich starten von deutschen Flughäfen 1368 Flüge nach Großbritannien. Zudem ist das Vereinigte Königreich das Hauptziel deutscher Geschäftsreisender im Ausland. Nach einem ungeordneten EU-Austritt Großbritanniens würde eine Reihe von Problemen im Bereich der Zertifizierung und bei den Verkehrsrechten auf die Airlines und Flughafenbetreiber zukommen.

 Damit eine Airline Verkehrsrechte im Luftraum der EU wahrnehmen darf, benötigt sie eine Betriebsgenehmigung eines Mitgliedsstaats. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Hauptsitz sowie der Mehrheitsanteil eines Flugbetreibers innerhalb der EU beziehungsweise bei einem Angehörigen eines Mitgliedsstaates liegen.

Dementsprechend würden britische Fluglinien ihre Start- und Landerechte in der EU verlieren. Mehrere Airlines bemühen sich daher bereits ihre Aktionärsmehrheiten in die EU zu verschieben. Easyjet hatte dafür zuletzt sogar erwogen britischen Anteilseignern das Stimmrecht zu entziehen.
 
Alternativ zu einer EU-Genehmigung können ausländische Fluggesellschaften eine Genehmigung als Drittlandbetreiber beantragen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein bilaterales Abkommen zwischen der EU und einem Drittstaat, das aktuell nicht vorliegt. Gleichermaßen müssen sich auch europäische Airlines auf veränderte Zugangsrechte zum britischen Luftraum nach dem Brexit einstellen.

Weitere Herausforderungen kommen auf die Luftfahrtunternehmen auf beiden Seiten des Kanals im Bereich der Zertifizierung zu. Innerhalb der EU müssen alle Produzenten und Instandhaltungsunternehmen von Luftfahrzeugen durch die „Europäische Agentur für Flugsicherheit“ (EASA) geprüft und zugelassen werden. Infolge eines harten Brexit würden die durch die EASA ausgegeben Zertifikate für im UK ansässige Personen und Unternehmen ihre Gültigkeit verlieren. Die entsprechenden Produkte wären damit nicht mehr in der EU zugelassen.

Das gleiche trifft auf Zeugnisse, die von britischen Behörden ausgestellt wurden, zum Beispiel Pilotenlizenzen und Flugzeugeintragungen zu. In diesen Fällen sind die betroffenen Personen und Unternehmen aufgefordert im Rahmen einer Sicherheitsüberprüfung eine Drittlandgenehmigung bei der EASA zu beantragen.
Um die weitgehende Beeinträchtigung des europäisch-britischen Luftverkehrs nach dem Brexit am 1. November zu vermeiden, hat die EU-Kommission No-Deal-Maßnahmen getroffen.

Demnach soll für einen Übergangszeitraum bis März 2020 gewährleistet werden, dass der Luftverkehr für britische Airlines in die EU aufrechterhalten bleibt. Der kommerzielle Luftverkehr britischer Luftfahrtunternehmen innerhalb der EU-27 wäre von den No-Deal-Maßnahmen allerdings ausgeschlossen.

Darüber hinaus sollen die EASA-Zertifikate bis neun Monate nach dem EU-Austritt ihre Gültigkeit behalten und den Airlines ein Zeitraum von sieben Monaten eingeräumt werden, um Besitzverhältnisse in die EU zu verlagern. Diese Maßnahmen der EU-Kommission werden jedoch nur greifen, wenn die britische Seite Gleiches ermöglicht (Reziprozität).
 
Der DIHK rät Unternehmen, die in Geschäftsbeziehungen mit dem UK stehen, sich mithilfe der Brexit-Checkliste des DIHK und der Prepardeness-Website der EU-Kommission sowie der Brexit-Informationen der EASA frühzeitig auf einen harten Brexit vorzubereiten.