Titelthema

11. Juni 2019
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Garten, Gastro und Gewerbe

Seit jeher versteht sich die Bundesgartenschau (Buga) auch als Dünger für eine gesunde Stadtentwicklung.
Von 1951 an bringt sie Leben an Orte, von denen es durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, städteplanerische Fehlentwicklungen oder industrielle Nutzung vertrieben worden war. Auch 2019 in Heilbronn bleibt sich die Buga treu: Als traditionelle Gartenausstellung mit klassischen Gartenthemen und großem gärtnerischem Können belebt sie ein fast 40 Hektar umfassendes Brachland zwischen Alt-Neckar und Neckarkanal, zwischen der Lern- und Erlebniswelt experimenta und dem Hauptbahnhof auf bewährte Weise.

Doch bisher einmalig seit ihrer Premiere präsentiert die Buga die Früchte, die sie trägt, schon während des Geschehens: Die Stadtausstellung gibt den Besuchern einen Vorgeschmack auf das Heilbronner Stadtquartier Neckarbogen. Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Bundesgartenschau Heilbronn 2019 GmbH: „Die Bundesgartenschau Heilbronn 2019 ist anders. Wer im Sommer 2019 Heilbronn besucht, den erwartet wie gewohnt eine große Gartenausstellung. In einem Punkt aber unterscheidet sie sich von allen früheren: In die Gartenausstellung ist erstmals eine Stadtausstellung integriert.

Ihre 22 um Innenhöfe gruppierten Häuser auf dem Gelände sind bewohnt und ihre Erdgeschossflächen als Teil der Ausstellung für die Buga-Besucher geöffnet. Damit begründet die Bundesgartenschau Heilbronn 2019 ein neues Format in der fast 70-jährigen Geschichte der Bundesgartenschauen.“ Rund 800 Menschen haben noch vor Beginn der Bundesgartenschau die zukunftsweisenden Gebäude bezogen. Über viermal so viele sollen es bis 2040 werden. Wie sich das Leben jetzt und anderswo in Zukunft am Neckarbogen gestaltet, erfahren die Bundesgartenschau- Besucher mit Ausstellungsbeiträgen in den Erdgeschossen und in den Innenhöfen.

Die Stadtausstellung mit den bereits bewohnten Wohn- und Geschäftshäusern sowie einer bereits eröffneten Jugendherberge bildet den ersten Bauabschnitt des neuen Stadtquartiers Neckarbogen, der auf dem Bundesgartenschaugelände wachsen wird. Neben einer Musterwohnung zu barrierefreiem Wohnen informieren Ausstellungen in Erdgeschossflächen zu Zukunftsthemen wie Mobilität, Digitalisierung, neu entwickelten Materialien für alle möglichen Alltagsbereiche oder auch Holzbau. Denn Holzbauweise ist die dominierende Bauart der Stadtausstellung, zu der als besonderes Highlight das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands gehört.

„Wir wollen, dass sich die Menschen bei uns auf der Gartenschau wohlfühlen und einen schönen Tag genießen
können.“ - Hanspeter Faas, Geschäftsführer


Konzept der Buga kommt an
Trotz Kälte und Regen haben bis Mitte Mai fast 350.000 Menschen die Buga besucht. „Damit liegen wir ziemlich genau im Plan und dies zeigt, dass das Konzept der Buga ankommt“, sagt Hanspeter Faas. Eine Besucher- Befragung in den ersten Wochen der Buga, die im Auftrag der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) durchgeführt wurde ergab, dass 97 Prozent der Buga- Besucher insgesamt sehr zufrieden mit dem Besuch auf dem Bundesgartenschaugelände waren, 82 Prozent wollen wiederkommen und 98 Prozent wollen Freunden, Bekannten und Kollegen die Buga weiterempfehlen.

Die positive Bewertung spiegeln nicht nur die Besucherzahlen in den ersten vier Wochen wider. Dass die Buga in diesem Sommer bei vielen fest eingeplant ist, zeigt auch die Zahl der verkauften Dauerkarten. Sie steigt weiter und lag Mitte Mai mit 80.000 mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich kalkuliert. Faas: „Mit diesem Ergebnis sind wir äußerst zufrieden. Es zeigt, dass unser Experiment mit der Kombination von Blumen und Pflanzen mit Zukunftsthemen wie Wohnen und Bauen sehr gut angenommen wird.“

Auch das belegt die Befragung: 88 Prozent der Besucher finden das Konzept der Buga mit der Kombination aus Garten- und Stadtausstellung gut oder sehr gut. Unter den Top-Ten der Attraktionen wählten die Befragten Blumen, Pflanzen, Beete und Gärten auf Nummer eins, gefolgt von der Wassershow am Abend und den täglichen Wasserspielen sowie das Gelände insgesamt.

Wechselflor
Seit ihrer Eröffnung am 17. April zieht die Bundesgartenschau Heilbronn Besucher mit ihrer außergewöhnlichen Blütenpracht in ihren Bann. Mitte Mai stand der Wechsel von den Frühjahrsblühern zu den Sommerblumen an. Statt Narzissen, Tulpen oder Hornveilchen prägen Sonnenhut, Studentenblumen, Verbenen oder Dahlien das bunte Blütenmeer auf dem Buga-Gelände. Gärtner setzten 110.000 Pflanzen in die Blumenbeete.

„Es ist eine logistische Herausforderung den Wechsel von Frühjahrs- zu Sommerflor in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen“, sagte Hanspeter Faas. In zwei Wochen mussten 8.000 Quadratmeter neu bepflanzt sein und mit frischer Farbe und neuen Mustern begeistern. Faas: „Wir bekommen sehr positive Rückmeldung für unsere Bepflanzung. Blumen und Pflanzen sind der Markenkern unserer Buga der Vielfalt.“ Produktionsgärtnereien in ganz Deutschland haben die Pflanzen vorgezogen, so dass sie Mitte Mai das richtige Entwicklungsstadium hatten, um auf der Buga in die Beete gesetzt werden zu können.

Mit dem Umpflanzen wurde erst nach den Eisheiligen begonnen, wenn üblicherweise keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Etwa 40 Gärtner aus mehreren Betrieben in der Region waren damit beschäftigt, die Blumen exakt nach Pflanzplan in den Boden zu setzen und so einen nach Farbe, Form und Wuchs zusammengestellten optimalen Mix zu erreichen.

Einzigartige Pavillons
Die Bundesgartenschau ist nicht nur eine gärtnerische Leistungsschau, sie setzt auch Impulse im Städtebau und im Bau von Pavillons. Zwei Pavillons, aus Holz und Carbonfasern gefertigt nach Konstruktionsvorbildern, wie sie Seeigel oder Käfer in der Natur nutzen, schmiegen sich in die Wellenlandschaft der Sommerinsel und sind Blickfang inmitten des Geländes. In vergleichbarer Größe und Bauart gibt es sie nirgendwo sonst.

Gute Symbiose von Buga und Innenstadt
Die Buga habe sehr positive Auswirkungen auf die Innenstadt, weiß Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing, zu berichten. „Die Innenstadt ist bei gutem Wetter sehr gut besucht. Veranstaltungen wie der Marathon oder der Triathlon ergänzen sich wunderbar mit der Bundesgartenschau.“ So sei es naheliegend, dass auch der Handel zufrieden sei, da die neuen Kunden auch durchaus hochwertige Waren kaufen würden. Ein gleiches Bild ergibt sich in der Gastronomie. Gerade am frühen Abend ist die in Buga-Nähe liegende Gastronomie sehr gut besucht.

Auch das Umfeld profitiert
Heilbronn wird als Reiseziel immer beliebter – dies belegte auch die Auswertung der Besucherstatistiken aus dem ersten Quartal 2019. Obwohl der „Buga-Effekt“ noch nicht in die Statistiken eingeflossen ist, konnte die Stadt einen erheblichen Zuwachs an Besuchern verzeichnen. Steffen Schoch: „Wir hatten bei Gästeankünften ein Wachstum von 8,7 Prozent. Aus dem Ausland hatten wir von Januar bis März 5,6 Prozent mehr Besucher als vorher, und die Hotelübernachtungen sind sogar um zehn Prozent angestiegen.“ Während viele andere Städte ein Minus schreiben, liegt Heilbronn damit über den landesweiten Werten.

Gute Hotelauslastung und zahlreiche Führungen
Das Übernachtungsangebot in der Stadt stieg gegenüber 2018 um 23,6 Prozent auf 2.127 Betten an. Diese werden vor allem seit dem Beginn der Bundesgartenschau sehr gut genutzt. Steffen Schoch: „Ich habe mit Hoteliers geredet, die bis Mitte Mai von einer 70-prozentigen Bettenauslastung sprachen und sehr zufrieden mit dem Start des bundesweiten Großereignisses waren.“ Bereits jetzt sind knapp 2.000 Führungen mit etwa 40.000 Teilnehmern über das Buga- Gelände und City-Führungen speziell für Buga- Gäste gebucht. Geplant ist es, 3.500 Führungen bis Anfang Oktober bei den Kunden zu vermarkten. Regelmäßige Kanu-Touren, Segway-Touren und die klassischen Stadtführungen vervollständigen das Angebot.

Integriert in die Buga ist erstmals auch eine Stadtausstellung.

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Blumenpracht und innovative Pavilons: die Buga hat viel zu bieten.

Reiseanbieter haben Heilbronn entdeckt
Den größten Teil der Gästeführungen bilden Vereine, Jahrgangs- und Familiengruppen mit zusammen 46 Prozent, gefolgt von Unternehmen, Banken und Verbänden (17 Prozent) sowie Bildungseinrichtungen (13 Prozent). Reiseunternehmen liegen in dieser Statistik mit neun Prozent auf dem vierten Platz. Doch dies soll sich in naher Zukunft ändern.

„Inzwischen haben einige große nationale Reiseanbieter Heilbronn in ihr Programm aufgenommen. Und wir sind mit Busunternehmen und Reisebüros aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Österreich und der Schweiz in Kontakt – auch schon im Hinblick auf die Zeit nach der Buga. Das ist ein zarter Beginn des Auslandsmarketings“, erzählt Steffen Schoch. Aktuell kommen 98 Prozent der Reisegruppen die Führungen gebucht haben aus Deutschland.

72 Prozent davon stammen aus Baden-Württemberg, sieben Prozent aus Bayern und fünf Prozent aus Nordrhein-Westfalen. Drei Prozent der Besucher kommen aus den „neuen Bundesländern“ – insbesondere aus dem baden-württembergischen Partnerland Sachsen. Wesentlich mehr Anfragen zu Heilbronn und der Bundesgartenschau bekommt auch die Tourist Information. Rund 50 bis 70 zusätzliche telefonische Anfragen werden von dort täglich beantwortet. Und auch die Heilbronn-Werbemittel werden wesentlich häufiger angefragt. „Alles, was mit dem Buga-Gartenzwerg Karl zu tun hat, ist sehr begehrt“, berichtet Steffen Schoch.  

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