Aus Berlin und Brüssel

26. Juni 2020
EU-Ratspräsidentschaft

EU braucht „stärkere und klarere Stimme"

Impulse, wie dem Exporteinbruch zu begegnen ist.
Die Covid-19-Pandemie wird massive Auswirkungen auf die Außenwirtschaft rund um den Globus haben. Nach Auffassung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sollte Deutschland seine im Juli beginnende EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um die richtigen Impulse für die europäische Handelspolitik zu setzen.
 
Die EU-Kommission rechnet damit, dass der Welthandel 2020 Corona-bedingt um 10 bis 16 Prozent abnehmen wird, die europäischen Exporte sollen demnach um 9 bis 15 Prozent zurückgehen. 
„Der Einbruch der europäischen Außenhandelszahlen zeigt, wie hart die Corona-Pandemie Unternehmen weltweit trifft", fasst DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier die Lage zusammen. In manchen wichtigen Lieferländern sorgten immer noch stillgelegte oder verringerte Produktionen, Mobilitätseinschränkungen, Grenzschließungen oder gar Exportverbote für erhebliche Probleme in den Lieferketten.

Davon sei insbesondere die exportorientierte deutsche Wirtschaft stark betroffen, so Treier. Der DIHK rechne damit, „dass die deutschen Exporte für das Gesamtjahr 2020 um 15 Prozent einbrechen werden", berichtet er. Zum Vergleich: "In normalen Zeiten sind wir plus 5 Prozent Wachstum gewohnt."


Die deutschen Exporte werden für das Gesamtjahr 2020 voraussichtlich um 15 Prozent einbrechen.

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Es sei nun umso wichtiger, dass Deutschland die anstehende EU-Ratspräsidentschaft nutze, um seine Rolle als Impulsgeber in der EU-Handelspolitik ambitioniert auszufüllen, mahnt der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Gerade die hoch internationalisierte und oft mittelständische deutsche Wirtschaft ist auf offene Märkte und faire und gute Regeln für Handel und Investitionen angewiesen". Schließlich hänge jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland am Export, in der Industrie sogar jeder zweite.

Nach Auffassung des DIHK gilt es nun vor allem, den Protektionismus gerade in Zeiten der Corona-Krise zu bewältigen, das EU-Mercosur Abkommen voranzutreiben und die zukünftigen Beziehungen mit dem UK nachhaltig zu regeln. Und: „Europa braucht eine stärkere und klarere Stimme in der internationalen Handelspolitik."
 
 

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