Unternehmen brauchen neue Gewerbegebiete, um sich weiterentwickeln zu können. Doch die Bebauung ungenutzter Flächen geht mit der Verdrängung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen einher. Die Entwicklung nachhaltiger Gewerbegebiete bringt die verschiedenen Interessen miteinander in Einklang.
 
In Deutschland werden täglich rund 60 Hektar als Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Für Industrie und Gewerbe ist die Entwicklung neuer Standorte unerlässlich. Gerade produzierende Unternehmen brauchen Flächen mit Abstand zu anderen Nutzungen, um Konflikte durch Lärm oder Gerüche zu vermeiden. In Frage kommen deshalb vor allem Ortsrandlagen, die zuvor ungenutzt waren.
 
Durch die Bebauung ungenutzter Flächen werden jedoch Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört. Das führt zum Verlust an biologischer Vielfalt, d. h. dem Reichtum an Arten, Genen und Ökosystemen. Aber nur eine biologisch vielfältige und dadurch widerstandsfähige Natur kann die für den Menschen notwendigen „Ökosystemleistungen“ erbringen, wie die Bereitstellung von sauberem Wasser, Nahrungsmitteln und Energieträgern.
 
Dass die biologische Vielfalt auch in Deutschland unter Druck geraten ist, zeigen die neuesten Erkenntnisse über den Rückgang von Insekten. Dies hat viele Menschen aufgerüttelt und motiviert, sich für den Natur- und Artenschutz einzusetzen. Was Unternehmen tun können, diskutieren Wirtschaft und Naturschutz im Rahmen der Plattform des Bundesumweltministeriums „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“. Daran beteiligt sind auch Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern (siehe untenstehende Verlinkung).
 
Mit der bewussten Entscheidung für einen Standort in einem nachhaltigen Gewerbegebiet können Unternehmen den Artenschutz unterstützen. Hier sind zunächst die Kommunen gefragt. Zwar schreibt ihnen das Baurecht ohnehin vor, Auswirkungen auf die biologische Vielfalt möglichst zu vermeiden oder zumindest auszugleichen.

Nachhaltig wird das Gewerbegebiet aber erst durch eine ökologische Aufwertung, indem Maßnahmen ergriffen werden, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Das können die Anlage von Trittsteinbiotopen, der weitestgehende Verzicht auf Versiegelung, die Begrünung von Dächern oder Fassaden oder die naturnahe Gestaltung von Grünflächen sein. Damit können Kommunen gezielt „nachhaltigkeitsaffine“ Unternehmen für den Standort anwerben.
 
Mittlerweile hat die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ ein kostenpflichtiges Zertifizierungssystem für Gewerbegebiete entwickelt. Bewertet werden dabei die biologische Vielfalt, aber auch viele weitere verschiedene Kriterien, von der ökologischen Qualität über Anforderungen an die Emissionsminderung bis hin zur soziokulturellen und funktionalen Qualität.
 
Wird die ökologische Aufwertung eines Gewerbegebietes von vornherein in die Planung einbezogen, kann der Standort weiterhin Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt bleiben und zugleich ein attraktives Umfeld für Unternehmen sein.