Insgesamt kommt die Berufliche Bildung nicht nur an Gymnasien, sondern auch an anderen weiterführenden Schulen häufig zu kurz. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK).
 
Zu wenig Angebote zur Berufsorientierung
Welche konkreten Angebote rund um die Berufs- und Studienorientierung bieten Schulen derzeit an? Nach Auskunft der Eltern gibt es am häufigsten Unternehmensbesuche und Betriebspraktika – und zwar sowohl auf Gymnasien als auch auf anderen weiterführenden Schulen.
 
Rund ein Fünftel der Eltern (Gymnasien 22 Prozent, andere 19 Prozent) geben an, dass ihren Kindern in der Schule überhaupt keine Angebote zur Berufs- und Studienorientierung gemacht werden. Als dritthäufigste Antwort werden Berufs- und Jobmessen (Eltern von Gymnasiasten 14 Prozent, andere 12 Prozent) sowie das Schulfach Berufsorientierung (Eltern von Gymnasiasten 10 Prozent, andere 12 Prozent) genannt.
 
Mit anderen Worten: Bei der Berufsorientierung ist derzeit noch viel Luft nach oben. Angesichts der Fülle von Ausbildungsberufen und Studiengängen ist dies aber wichtiger denn je.
 
Zusammenarbeit von Betrieben und Schulen lohnt sich
Welche Aktivitäten sind aus Sicht der Eltern wirklich nützlich? Mehr als die Hälfte der befragten Eltern sehen den größten Nutzen für die berufliche Orientierung in Unternehmensbesuchen und Betriebspraktika. Das wird insbesondere an anderen weiterführenden Schulen so gesehen.
 
Mit deutlichem Abstand folgen das Schulfach Berufsorientierung sowie die Berufs- und Jobmessen. Das heißt: Vor allem Angebote, die einen konkreten Einblick in die Berufspraxis geben und es den Jugendlichen ermöglichen, den Alltag in Unternehmen kennenzulernen, schätzen Eltern als besonders nützlich ein. Schulen und Unternehmen sollten beim Thema Berufsorientierung in Zukunft demnach also noch enger zusammenarbeiten.
 
Informationsangebote über die duale Ausbildung kommen zu kurz
Dass es für Jugendliche nach ihrem Schulabschluss auch im dualen Ausbildungssystem weitergehen kann, wird in allen Schulformen – vor allem aber an Gymnasien – nur am Rande thematisiert.
 
50 Prozent der Eltern von Schülerinnen und Schülern am Gymnasium geben an, dass die Berufsorientierung eindeutig oder eher Richtung Studium geht. Nur knapp 10 Prozent sehen eine Tendenz in Richtung Ausbildung. Auch an anderen weiterführenden Schulen ist dieser Akademisierungstrend erkennbar. Hier geben Eltern zu fast 30 Prozent an, dass Angebote eindeutig oder eher über ein Studium informieren. Angebote mit Schwerpunkt Ausbildung benennt hingegen nur rund ein Viertel der Eltern.
 
Was jetzt getan werden muss
Die unklaren Berufsvorstellungen vieler Schulabgänger und ihre Unsicherheit bei der Berufswahl ist aktuell eines der größten Ausbildungshemmnisse. Findet Berufsorientierung an Schulen nicht oder in nicht ausreichendem Maß statt, drohen Ausbildungs- und Studienabbrüche. Dadurch verzögert sich wiederum der Eintritt in den Arbeitsmarkt – der Fachkräftemangel wird verstärkt.
 
Um dem entgegenzuwirken, sollten Jugendliche möglichst früh praktische Erfahrungen sammeln. Die Verzahnung von Schule und Betrieb darf nicht erst in der Ausbildung beginnen. Die Berufliche Bildung bietet gute Karrierechancen, Verdienstmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven.
 
Daher müssen die Schulen die berufliche Bildung als gleichwertige Alternative zum Studium aufzeigen. Sie sollten ihre Angebote zur Berufs- und Studienorientierung weiter ausbauen und entlang der gesamten Bildungskette aufeinander abstimmen.