18-06_Kleinod

Juni 2018

Ein echtes Schmuckstück

Am Rande des Öhringer Hofgartens, direkt neben dem Hoftheater im Herzen Öhringens befindet sie sich – die ehemalige Orangerie, die heute ein Restaurant beherbergt. Genießen in der Region zu Gast im Kleinod in Öhringen.
Zu Zeiten von Grafen und Fürsten beherbergte die Orangerie exotische Pflanzen und Früchte, heute kocht Serkan Güzelcoban im frisch renovierten Gebäude ausgewählte Gerichte für einen gehobenen Business-Lunch oder ein Mehrgangmenü am Abend. Dabei trifft Hohenlohe nicht selten auf den Orient.

Serkan Güzelcoban: „Ich bin Türke, aber in Stuttgart aufgewachsen und jetzt lebe ich in Hohenlohe. Bei vielen meiner Gerichte lautet das Motto daher ‚Orient trifft Okzident‘.“ Serviert der Koch beispielsweise „Sultans Freude“, ein klassisches Gericht der osmanischen Küche, mischt er Blauschimmelkäse des Demeterhofs in Künzelsau in das Auberginenpüree, das bei dem Gericht traditionell zu geschmortem Fleisch serviert wird.
„Der Blauschimmelkäse verleiht dem Püree das gewisse Etwas. Gut abgeschmeckt entsteht so eine echte Geschmacksexplosion“, schwärmt der 33-Jährige.
 

"Ich bin ein türkischer Schwabe" - Serkan Güzelcoban, Inhaber und Küchenchef


Neuanfang
Bis zu seinem 30. Lebensjahr wollte Serkan Güzelcoban vier Ziele erreichen: Er wollte ein Haus, eine Familie, einen Michelin-Stern und einen Porsche. „Bis auf den Porsche, habe ich alles geschafft“, verrät der Vierfach- Papa mit einem Schmunzeln. Im Restaurant Anne-Sophie hatte er vor der Eröffnung des Kleinods den Kochlöffel geschwungen und dort hauptsächlich klassisch französische Speisen zubereitet.

Wichtig war es ihm, mit seinem besonderen Team, das aus Menschen mit und ohne Handicap bestand, einen Michelin-Stern zu bekommen und damit zu zeigen, dass Inklusion funktioniert. „Als das geschafft war, war die Luft raus. Ich wollte etwas Neues versuchen“, erklärt er.

Kurzerhand kündigte Serkan Güzelcoban seine Stelle und machte sich selbständig. Die ehemalige Orangerie im Öhringer Stadtgarten hatte er schon länger ins Auge gefasst: „Das Gebäude ist ein echtes Schmuckstück, ein Kleinod, und genau das wollte ich. Besondere Speisen im ebenso besonderen Ambiente servieren.“ Als das Gebäude ausgeschrieben wurde, bewarb er sich sofort und bekam die Chance, sein Restaurantkonzept in die Tat umzusetzen.

Serkan Güzelcoban: „Ich habe mich gefragt, wer bin ich? Und kam zur Antwort ‚ein türkischer Schwabe‘. Deshalb koche ich in meinem Restaurant mit möglichst vielen Produkten aus der Region und auch immer wieder nach türkischen Rezepten. Vor allem aber koche ich das, worauf ich Lust habe.“

© Sommerfeld

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© Sommerfeld

Engagement
Mittlerweile beschäftigt Serkan Güzelcoban einen weiteren Koch und hat insgesamt fünf Angestellte im Kleinod. „Einen Dauerbrenner gibt es bei uns nicht“, erzählt er und ergänzt: „Die Gäste bemerken den besonderen Geschmack unserer Kreationen und schätzen Kleinigkeiten wie den Gruß aus der Küche: selbstgebackenes Sauerteigbrot mit etwas Kümmel.“ Serkan Güzelcoban selbst isst am liebsten gefüllte Auberginen von Mama.

„Die schmecken einfach am besten. Keiner kann das so zubereiten wie sie“, verrät er. Die Familie ist ihm wichtig, deshalb versucht er trotz des anstrengenden Arbeitsalltags genug Zeit für sie zu haben und manchmal schafft er es, beides zu verknüpfen. In Kürze findet ein Kinderbasar im Hoftheater statt, welches Serkan Güzelcoban normalerweise für große Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstage zur Verfügung stellt.

„Die Einnahmen des Basars gehen an die Klasse 4b, in der ist nämlich meine Tochter“, erklärt der Familienvater. Einen solchen Basar veranstaltet er das erste Mal. Das soll aber nicht so bleiben: Jede Klasse hier aus der Gegend soll sich bewerben können und so die Klassenkasse aufbessern.

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