Das hat das Bundesarbeitsgericht im Fall eines Webers entschieden, der in einem Textilunternehmen in Nachtschicht tätig war. Dafür erhielt er auf der Grundlage des Manteltarifvertrags der nordrheinischen Textilindustrie einen Nachtschichtzuschlag von 15 Prozent, wohingegen der Nachtarbeitszuschlag außerhalb von Schichtarbeit 50 Prozent betrug. Er forderte daher von seinem Arbeitgeber für 432 geleistete Nachtarbeitsstunden einen Differenzzuschlag von 35 Prozent.
 
In seiner Begründung weist das Gericht darauf hin, dass Tarifvertragsparteien aufgrund der Tarifautonomie ein weiter Gestaltungsspielraum zustehe mit einer Einschätzungsprärogative hinsichtlich tatsächlicher Gegebenheiten und betroffener Interessen. Die Schutzfunktion der Grundrechte verpflichte aber Arbeitsgerichte, Tarifregelungen die Durchsetzung zu verweigern, die mit dem Gleichheitsgrundsatz unvereinbar seien.
 
Vorliegend führe die tarifvertragliche Differenzierung zwischen Nachtarbeitszuschlägen einerseits und Nachtschichtarbeit andererseits zu einem Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz (vgl. Art. 3 Abs. 1 GG). Letztere werde gleichheitswidrig schlechter gestellt. Die Ungleichbehandlung sei für die Vergangenheit durch eine Anpassung „nach oben“ zu beseitigen.
(Urteil des Bundesarbeitsgerichts – BAG – vom 21. März 2018; Az.: 10 AZR 34/17)