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08. Mai 2019
Bausch+Ströbel

Vorsprung durch neue Technologien

Bausch+Ströbel (B+S) in Ilshofen ist einer der weltweit tätigen Anbieter von Abfüll- und Verschließanlagen für die Pharmaindustrie.
Jeder, der beim Zahnarzt schon mal eine Betäubungsspritze bekommen hat, hatte deshalb – vermutlich ohne es zu wissen – bereits Kontakt mit dem Unternehmen Bausch+Ströbel aus Ilshofen. Denn auf solch einer Anlage dieses weltweit tätigen Anbieters wurde vielleicht auch diese Spritze abgefüllt. 
 
Mit Haarfestiger zum Weltmarktführer
1967 gründeten Sigfried Bullinger, Rolf Ströbel und Wilhelm Bausch, alle drei begeisterte Tüftler, in einer angemieteten Garage in Michelbach/ Bilz das heutige Unternehmen. Eine Abfüll- und Verschließanlage für Haarfestiger stand damals im Mittelpunkt des Interesses. Auf Kundenanfrage entwickelten die drei ihre erste kompakte Tischmaschine, die 2.500 Ampullen pro Stunde abarbeitete. Im Vergleich dazu laufen heute auf einer B+S-Anlage bis zu  60.000 Spritzen pro Stunde durch.
 
„Dass das Unternehmen sich so rasant entwickeln würde, hätte mein Vater damals nicht gedacht“, berichtet Thorsten Bullinger, geschäftsführender Gesellschafter, rückblickend. Heute beschäftigt das Unternehmen 1.450 Mitarbeiter am Standort Ilshofen und 1.800 weltweit. Der Umsatz betrug im letzten Jahr rund 200 Millionen Euro. Bis heute ist Bausch+Ströbel in Familienbesitz. Die geschäftsführenden Gesellschafter sind die Söhne der Firmengründer. Markus Ströbel und Thorsten Bullinger führen das Unternehmen im Sinne ihrer Väter weiter, ergänzt wird das Team der Geschäftsführung durch Dr. Hagen Gehringer und Bernhard Frisch.
 
„Als Familienunternehmen investieren wir Gewinne und entziehen sie nicht, so ist ein kontrolliertes und planbares Wachstum möglich“, sagt Bullinger. Flache Hierarchien geben darüberhinaus die nötige Flexibilität, um kurzfristig auf Veränderungen im Markt reagieren zu können. Wissen und Vertrauen waren schon für die Gründer entscheidende Erfolgsfaktoren und werden es auch in Zukunft sein. Dazu gehören gut ausgebildete, vertrauensvolle Mitarbeiter.
 
Technikbegeisterung und Entwicklungspotenziale schaffen
Ziel ist es, den Nachwuchs heute so für Technik zu begeistern, wie sich einst die Firmengründer für Technik begeistert haben. Dies beginnt bereits im Kindergarten. Mit der „Rappelkiste“ in Ilshofen kooperiert B+S bereits seit 2009 im Rahmen des Projektes „MINTec Hohenlohe“, bei dem Auszubildende kleine technische Projekte mit Vorschulkindern gemeinsam umsetzen. So wurden bereits Boote, Insektenhotels oder Spielzeugautos hergestellt. Spielerisch lernen die Kleinsten auf diese Weise den Umgang mit Werkzeugen.
 
Auszubildende fordern und fördern und gleichzeitig Jugendliche für technische Berufe zugewinnen, ist das Ziel der „Ausbildungsbotschafter“. Das sind Azubis, die ihren Ausbildungsberuf, das Unternehmen und ihre eigene Person Schülern vorstellen und Fragen beantworten. Der Vorteil liegt auf beiden Seiten: Schüler erfahren von Gleichaltrigen etwas über Berufschancen und die Ausbildungsbotschafter erweitern ihre Sozialkompetenzen.

Aber nicht nur die Jüngsten haben bei B+S gute Entwicklungschancen. „Jeder Mitarbeiter ist uns gleich wichtig“, unterstreicht Bullinger. Und für jeden hält das Unternehmen Karrierechancen bereit. Ob Projektleiter-, Fachspezialisten- oder Führungskräftelaufbahn, Auslandseinsatz oder Teilzeitmodell, gemeinsam mit den Personalverantwortlichen wird für jeden Mitarbeiter eine individuelle Lösung angestrebt.

„Als Familienunternehmen investieren wir Gewinne und entziehen sie nicht, so ist ein kontrolliertes und planbares Wachstum möglich.“ - Thorsten Bullinger, geschäftsführender Gesellschafter

 
 

Markus Ströbel (Geschäftsführender Gesellschafter, von links) Thorsten Bullinger (Geschäftsführender Gesellschafter), Dr. Hagen Gehringer (Geschäftsführer), und Bernhard Frisch (Geschäftsführer).

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Der Spezialmaschinenbauer Bausch+Ströbel setzt moderne Techniken, wie ein Virtual Reality Center, zur 3D-Visualisierung der Maschinen ein.

Planung läuft virtuell
Individuell sind auch die Lösungen für die Kunden. Heute versteht sich B+S nicht mehr nur als reiner Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen sondern als Anbieter von Lösungskonzepten, die Ausfallzeiten reduzieren, Produktivität steigern und Flexibilität erhöhen. Stichwort Virtual Reality: Der Kunde kann seine Anlage im Virtual-Reality-Center mittels einer 3D-Brille auf einer Leinwand betrachten und bedienen, bevor diese gebaut ist. Eingesetzt wird diese Technologie von möglichen Lösungsansätzen über die Projektplanung bis zur Schulung des Bedienpersonals.
 
„Schon jetzt erstellen wir einen Großteil der Programmierung bereits im Vorfeld anhand eines digitalen Zwillings, bald wird es die komplette Programmierung sein“, blickt Markus Ströbel in die Zukunft. „Was eine enorme Zeitersparnis für unsere Kunden und uns bedeutet.“ Unter Augmented Reality fasst B+S den Einsatz von Datenbrillen im Bereich Service und Bedienerschulung zusammen. Informationen und Arbeitsanweisungen werden dem Bediener einer komplexen Anlage dabei in die Brille projiziert, sodass dieser beide Hände für die Ausführung frei hat. 

Mit Partnern Richtung Digitalisierung
Eine Produktionslinie auf Kundenseite besteht meist aus mehreren Anlagen und Maschinen unterschiedlicher Hersteller. „Um diese Anlagen vernetzen und vor allem Ausfallzeiten reduzieren zu können, entwickeln wir gemeinsam mit strategischen Partnern der sogenannten Excellence United eine offene, modulare Plattform für die Anwender“, sagt Ströbel. Diese erfasst über eine zentrale Schnittstelle kontinuierlich Maschinen- und Prozessparameter aller in der Anlage integrierten Maschinen. Über eine Cloud oder das Firmennetzwerk sind diese Daten dann in Echtzeit verfügbar. „So könnte ein Kunde in Zukunft unseren Wartungstechniker bereits mit der Behebung eines Problems beauftragen, noch bevor es entsteht“, berichtet Ströbel.
 

 

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