IHK + Region

08. November 2018
Konjunkturumfrage

Gegenwind nimmt zu

Die Konjunktur im IHK-Bezirk Heilbronn- Franken zeigt sich im 3. Quartal 2018 trotz eines schwachen Welthandels und außenwirtschaftlichen Unwägbarkeiten solide.
Vor allem die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte tragen gegenwärtig den Aufschwung. Spitzenreiter bleibt das Baugewerbe, bei dem der Lageindikator wie im Dienstleistungssektor gegenüber dem Vorquartal stabil geblieben ist. Sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel stufen die Betriebe ihre gegenwärtige Lage besser als im Vorquartal ein.

Auf hohem Niveau eine etwas ungünstigere Geschäftslage melden die Industrieunternehmen. Im Hinblick auf die kommenden Monate ist der Optimismus in der regionalen Wirtschaft insgesamt zurückgegangen. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der 408 Unternehmen mit insgesamt 92.100 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen haben.

Die aktuelle Geschäftslage wird von den regionalen Unternehmen genauso positiv wie im Vorquartal beurteilt. Die Lageurteile halten sich somit stabil auf historisch sehr hohem Niveau. Wie im Vorquartal sprechen 55 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe von einem guten Geschäftsverlauf, während lediglich drei Prozent der Unternehmen mit der Geschäftslage unzufrieden sind. Auch am Arbeitsmarkt hält die positive Entwicklung weiter an. 26 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Betriebe planen einen Personalaufbau, acht Prozent (Vorquartal neun Prozent) erwägen die Beschäftigtenzahl zu reduzieren.

Nach wie vor bremst der Fachkräftemangel das Beschäftigungswachstum. 65 Prozent (Vorquartal 68 Prozent) der Unternehmen betrachten den Fachkräftemangel als mit Abstand größtes Geschäftsrisiko. Hinsichtlich zukünftiger Geschäfte ist der Optimismus in der regionalen Wirtschaft zurückgegangen. 26 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten, während sechs Prozent (Vorquartal sieben Prozent) der Unternehmen mit Skepsis in die Zukunft blicken.
 
Optimismus hinsichtlich kommender Monate ist zurückgegangen
Die regionale Wirtschaft befindet sich trotz protektionistischer Tendenzen in der Weltwirtschaft in einem soliden Aufschwung. Vor allem die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte, der private Konsum und die Investitionen, tragen die Konjunktur. Das Auslandsgeschäft hat sich dagegen mit der Verlangsamung der Konjunktur in den wichtigsten Absatzmärkten abgeschwächt.

Mit Blick auf zukünftige Geschäfte nimmt die Verunsicherung in der Wirtschaft zu. Die Unternehmen sehen sich einerseits vor allem bei Arbeitskräften zunehmend Engpässen gegenüber. Zudem haben die konjunkturellen Risiken zugenommen. Das handelspolitische Klima ist rauer geworden. Eine Eskalation des Handelsstreits, etwa die von den USA angedrohte Verhängung von Importzöllen für Fahrzeuge, würde die wirtschaftliche Aktivität in der Region spürbar dämpfen.

Darüber hinaus sorgen der noch immer offene Ausgang der Brexit-Verhandlungen, die aufgekommenen Zweifel an der finanzpolitischen Stabilität Italiens sowie die Währungskrise in der Türkei für Verunsicherung.
 
Industrie auf hohem Niveau leicht verschlechtert
In der Industrie wird die wirtschaftliche Situation im Vergleich zum Vorquartal geringfügig ungünstiger beurteilt. Während 62 Prozent (Vorquartal 64 Prozent) der Betriebe eine gute Geschäftslage melden, halten nur zwei Prozent (Vorquartal ein Prozent) der Unternehmen den Geschäftsverlauf für schlecht. Bei den Auftragseingängen waren weitere Rückgänge zu verzeichnen.

Bei den Auftragseingängen aus dem Ausland verbuchten nur noch 22 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) einen Anstieg. 17 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) klagen hingegen über fallende Auslandsorders. Im Bereich der inländischen Auftragseingänge melden 29 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) einen Zuwachs, während wie im Vorquartal 13 Prozent rückläufi ge Inlandsorders verzeichneten. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung fällt mit 89 Prozent (Vorquartal 90 Prozent) weiterhin sehr hoch aus.

Die Erwartungen an zukünftige Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten fallen deutlich weniger optimistisch als im Vorquartal aus. Während 27 Prozent (Vorquartal 42 Prozent) der Industriebetriebe zuversichtlich in die Zukunft blicken, erwarten fünf Prozent (Vorquartal sechs Prozent) einen ungünstigeren Geschäftsverlauf. Hinsichtlich der zukünftigen Umsatzentwicklung gehen 42 Prozent (Vorquartal 51 Prozent) von Umsatzsteigerungen aus, sieben Prozent der Unternehmen befürchten wie im Vorquartal sinkende Umsätze. Vor dem Hintergrund der US-Handelspolitik und dem Brexit hat die Industrie ihre Exporterwartungen weiter zurückgenommen.

29 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) der Betriebe rechnen mit steigenden Exporten, neun Prozent (Vorquartal elf Prozent) gehen von einem rückläufigen Auslandsgeschäft aus. Die Investitionsbereitschaft hat sich gegenüber dem Vorquartal leicht erhöht. 45 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) der Unternehmen planen mit einem Anstieg der Inlandsinvestitionen. 31 Prozent der Betriebe ziehen Neueinstellungen in Betracht, während lediglich sechs Prozent einen Personalabbau erwägen.
 
Boom im Baugewerbe setzt sich fort
In der regionalen Bauwirtschaft fällt die konjunkturelle Lage per saldo ähnlich gut wie im Vorquartal aus. Während 74 Prozent (Vorquartal 77 Prozent) der Baubetriebe den Geschäftsverlauf als gut bezeichnen, meldet kein Unternehmen (Vorquartal zwei Prozent) eine schlechte Geschäftslage. Der Bau ist damit mit Abstand weiterhin Branchenspitzenreiter. Die Auftragseingänge sind im 3. Quartal 2018 per saldo nahezu stabil geblieben. 26 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) der Betriebe melden steigende Auftragseingänge, während 7 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) über Auftragseinbußen klagen.

Im Straßen- und Tiefbau sowie im Wohnungsbau hat sich die Auftragssituation gegenüber dem Vorquartal verbessert. Der gewerbliche Hochbau und der öffentliche Hochbau berichten per saldo von einer schwächeren Ordertätigkeit. Die Auslastung von Maschinen und Geräten ist mit 81 Prozent (Vorquartal 85 Prozent) weiterhin hoch. Die Geschäftsperspektiven für die kommenden zwölf Monate haben sich per saldo wieder etwas verbessert.

13 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) der Bauunternehmen blicken mit Optimismus in die Zukunft, während kein Betrieb (Vorquartal sieben Prozent) einen ungünstigeren Geschäftsverlauf erwartet. Als größtes Geschäftsrisiko sehen 76 Prozent (Vorquartal 82 Prozent) der Betriebe den Fachkräftemangel. 16 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Unternehmen wollen neue Stellen schaffen, während 3 Prozent (Vorquartal null Prozent) einen Personalabbau erwägen.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring und Dr. Helmut Kessler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer.

+ 5
Zufriedenheit im Großhandel gestiegen
Im Großhandel zeigen sich die befragten Betriebe mit ihrer aktuellen Geschäftslage auf hohem Niveau noch etwas zufriedener als im Vorquartal. Während 63 Prozent (Vorquartal 60 Prozent) der Unternehmen von einem guten Geschäftsverlauf berichten, bezeichnet kein Großhändler (Vorquartal zwei Prozent) die aktuelle wirtschaftliche Situation als schlecht.

Die Bestellpläne fallen per saldo weniger expansiv als im Vorquartal aus. Während 40 Prozent (Vorquartal 43 Prozent) einen Anstieg der Bestellungen verbuchten, melden 14 Prozent der Betriebe (Vorquartal vier Prozent) rückläufige Bestellungen. Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten ist der Optimismus per saldo leicht gestiegen. 35 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) der Großhändler erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung. Ein Zehntel (Vorquartal sechs Prozent) blickt skeptisch auf den weiteren Geschäftsverlauf.

41 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) der Großhändler rechnen mit steigenden Inlandsinvestitionen. Als größtes Geschäftsrisiko wird mit 85 Prozent nach wie vor der Fachkräftemangel genannt. 29 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) planen mit einer Personalaufstockung, vier Prozent (Vorquartal null Prozent) erwägen eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl.
 
Einzelhandel meldet bessere Geschäfte
Im regionalen Einzelhandel hat sich die aktuelle Lage auf hohem Niveau verbessert. 44 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) der Einzelhändler halten den Geschäftsverlauf für gut. Zwölf Prozent der Unternehmen bezeichnen wie im Vorquartal die Geschäftslage als schlecht. Beschäftigung und Einkommen steigen weiter kräftig, wodurch die privaten Konsumausgaben aufwärtsgerichtet bleiben. Auch die Einschätzung des Kaufverhaltens der Kunden wird von den Einzelhändlern positiver als im Vorquartal eingeschätzt.

16 Prozent (Vorquartal zwölf Prozent) der Unternehmen stufen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig, 67 Prozent (Vorquartal 59 Prozent) als saisonüblich ein. Nur 16 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Als größte Geschäftsrisiken nennen die Einzelhändler den Fachkräftemangel (51 Prozent) und die Inlandsnachfrage (47 Prozent). Die zukünftige Umsatzentwicklung schätzen die Betriebe per saldo ähnlich wie im Vorquartal ein. Während 19 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) mit steigenden Umsätzen kalkulieren, erwarten neun Prozent (Vorquartal 17 Prozent) Umsatzeinbußen.

Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten zeigen sich die Einzelhändler verhaltener als im Vorquartal. Jeweils neun Prozent blicken optimistisch (Vorquartal 17 Prozent) beziehungsweise pessimistisch (Vorquartal 12 Prozent) in die Zukunft. 19 Prozent wollen ihre inländischen Investitionsausgaben in den nächsten zwölf Monaten erhöhen. 14 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) planen Neueinstellungen, während zwei Prozent (Vorquartal sieben Prozent) die Beschäftigtenzahl reduzieren wollen.
 
Stabile Lage im Dienstleistungssektor
Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage durch den regionalen Dienstleistungssektor fällt genauso positiv wie im 2. Quartal aus. Wie im Vorquartal sprechen 42 Prozent der Betriebe von einem guten Geschäftsverlauf, während fünf Prozent mit der Geschäftslage unzufrieden sind. Überdurchschnittlich gut laufen derzeit die Geschäfte im Verkehrsgewerbe, im Bereich Arbeitnehmerüberlassung und bei den Beratungsdienstleistern.

Die Umsatzentwicklung wird besser als im Vorquartal beurteilt. 43 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) der Betriebe melden steigende Umsätze. Dagegen hat das Auftragsvolumen per saldo abgenommen. Bei 36 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) ist das Auftragsvolumen gestiegen, während elf Prozent (Vorquartal neun Prozent) Einbußen hinnehmen mussten.

Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate ist der Optimismus etwas zurückgegangen. 34 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) kalkulieren mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, sieben Prozent (Vorquartal acht Prozent) blicken pessimistisch in die Zukunft. 28 Prozent der Dienstleister wollen neue Stellen schaffen, während neun Prozent einen Personalabbau vorsehen. 

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