Geld + Märkte

06. Februar 2019
Afrika

Weichen Richtung Afrika stellen

Afrikas enorme Potenziale.
Auf diese und die damit verbundenen Chancen für deutsche Unternehmen hat Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), hingewiesen. Die Deutsche Wirtschaft ist mit 25 AHK-Standorten vertreten. Volker Treier betont: „Afrika hat 1,2 Milliarden Einwohner, die Bevölkerung wird sich bis 2050 verdoppeln, viele afrikanische Länder verzeichnen derzeit erfreulicherweise hohe Wachstumsraten und entwickeln sich insgesamt auch politisch positiv.“

Der DIHK-Außenwirtschaftschef zeigt sich überzeugt, dass der afrikanische Kontinent „in der künftigen Entwicklung der Weltwirtschaft eine tragende Rolle spielen“ werde. Er verfüge über große, unerschlossene Energie- und Rohstoffreserven und ein herausragendes agrarisches Potenzial.

Trotz insgesamt positiver Tendenz habe der deutsch-afrikanische Handel jedoch 2017 rund 46 Milliarden Euro ausgemacht, berichtet Treier; das seien nur zwei Prozent des deutschen Außenhandels gewesen und habe dem Warenaustausch mit Ungarn entsprochen. Sein Appell: „Afrika sollte deshalb bereits heute stärker auf die Handelsagenda Deutschlands rücken. Einzelne afrikanische Märkte bieten sich aktuell sogar als Investitionsstandorte an. Daher ist es wichtig, die Weichen jetzt Richtung Afrika zu stellen.“
 
Wichtiges Signal
Als Gründe für die relative Zurückhaltung deutscher Unternehmen gegenüber afrikanischen Märkten nennt Treier die teilweise schwierigen Rahmenbedingungen vor Ort. „Ich warne aber davor, alle 54 afrikanischen Länder über einen Kamm zu scheren. Regierungsführung, Infrastruktur und Bildungssysteme sind qualitativ sehr unterschiedlich.“

Als ein generelles Problem führt er „die Finanzierung der oft langen Vorlauffristen von Geschäften, gerade für Mittelständler“ an. Die Bundesregierung habe die strategische Bedeutung des Themas erkannt und mit der Initiative „Compact with Africa“ ein wichtiges Signal gesetzt, lobt der DIHK-Außenwirtschaftschef. Nun müssten den Reformbekundungen der afrikanischen Staaten Taten folgen.

Und: „Zum anderen sollte die Bundeskanzlerin darauf drängen, dass die Ressorts der Bundesregierung gemeinsam abgestimmte und nachfrageorientierte Unterstützungsmaßnahmen für den deutschen Mittelstand, insbesondere zur Risikoabsicherung und Finanzierung, pragmatisch und schnell umsetzen.“

„Afrika sollte deshalb bereits heute stärker auf die Handelsagenda Deutschlands rücken.“ - Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef

  
 

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Kreativität und Gründergeist
Noch heute werde Afrika zumeist aus den Blickwinkeln von Unterentwicklung und Migration betrachtet, bedauert Treier. Dabei stehe der Kontinent auch für Kreativität und Gründergeist: „Start-ups in afrikanischen Ländern wie Kenia, Nigeria und Ghana ermöglichen durch digitale Technologien Entwicklungssprünge, von denen in Zeiten des digitalen Wandels auch die alternden Gesellschaften Europas und damit die deutsche Wirtschaft profitieren können.“

Deutsche Unternehmen hätten als Technologiepartner hervorragende Chancen, etwa in der Landwirtschaft und der Rohstoffgewinnung beziehungsweise zunehmend in der -weiterverarbeitung. Die Bevölkerungsentwicklung und die steigende Verstädterung erforderten zudem einen Ausbau der Infrastruktur, und die wachsende afrikanische Mittelschicht entfalte eine große Nachfrage nach global bekannten Marken.