Die Republik Belarus ist ein EU-Anrainerstaat und Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion mit Russland, Kasachstan, Armenien und Kirgistan mit einem Binnenmarkt von circa 183 Millionen Konsumenten. Das Land bietet sich als Wirtschaftspartner an und setzt auch viel daran, sich als ein attraktiver Investitionsstandort zu entwickeln. 

Zu dieser Intention tragen auch Standortvorteile bei, wie die vorteilhafte geographische Lage als Transportkorridor zwischen Europa und Zentralasien/Kaukasus, gute industrielle Voraussetzungen, ein hohes wissenschaftliches und technisches Potenzial, eine gut entwickelte und ausgebaute Infrastruktur sowie qualifiziertes und engagiertes Personal. Belarus deckt zum Beispiel fünf Prozent des Weltbedarfs in der Softwareentwicklung ab.

Die belarussische Wirtschaft hat außerdem große Kompetenzen in der Herstellung von Maschinen inklusive Landtechnik, Nutz-, Spezial- und Baufahrzeugen, bei petrochemischen Erzeugnissen, Düngemitteln, Nahrungsmitteln, Textilien und Bekleidung sowie bei Holzprodukten. So entfällt auf Belarus beispielsweise knapp ein Drittel der Weltproduktion von Muldenkippern sowie ein Sechstel der globalen Mähdrescherproduktion. Trotz allem bietet der belarussische Maschinenbau noch ein großes Entwicklungs- und Ausbaupotenzial. Wichtig für die Ausfuhren des Landes sind Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und Fleischerzeugnisse.

Zaghafte Liberalisierung und geringes Reformtempo
Eines der grundlegenden Probleme und damit eine der Hauptschwächen der belarussischen Volkswirtschaft ist der große Staatssektor. Staatsbetriebe stehen für bis zu 70 Prozent der Gesamtwirtschaft des Landes. Diese Unternehmen zeichnen sich durch eine geringe Effizienz und Konkurrenzfähigkeit aus. Kleine und mittlere Unternehmen haben es schwer, sich auf dem lokalen Markt zu behaupten.

Als Hemmschuh für Investitionen und Handel erweisen sich auch die große Bürokratie in der öffentlichen Verwaltung, eine mangelnde Rechtssicherheit, eine hohe Verschuldung vieler Unternehmen und das schwierige Geschäftsumfeld für ausländische Investoren. Positiv wirken sich die gesunkenen Kreditzinsen aus. Wichtige Zentren für die Ansiedlung ausländischer Firmen sind die Sonderwirtschaftszonen. Die größten Risiken für die künftige Entwicklung der belarussischen Wirtschaft sind weiterhin die große Reformresistenz der Regierung sowie die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland.

Die unstabile Situation in Russland und die angespannte Situation mit Europa wirkten sich auch auf die Gesamtlage in Belarus aus. Belarus ist ein Land mit übersichtlichen Vorkommen an Bodenschätzen. Die Wirtschaft ist auf Import und verarbeitende Industrie angewiesen. Doch die verarbeitende Industrie wurde vor allem in den letzten 20 Jahren auf Grundlage der erdölverarbeitenden Branche ausgeweitet. Dabei setzte Belarus auf das aus Russland günstig erworbene Erdöl und suchte nicht weitsichtig andere Handelspartner oder baute gar andere Branchen aus. Die Krise in der Erdölbranche – die auch für den Anstieg der Preise in Belarus sorgte – führte dazu, dass der Gewinn in dieser Branche geringer ausfiel.

Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU)
Ein großer Standortvorteil Belarus ist die Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Durch die Errichtung der EAWU und die Schaffung eines gemeinsamen Zollkodex, sollte der Markteintritt in ein Land den Zugang zu den weiteren Märkten erheblich vereinfachen. Von Belarus aus können die anderen Märkte der EAWU (Russland, Kasachstan, Kirgisistan und Armenien) kostengünstig erschlossen und bedient werden.

Dieser Markt reicht geografisch von der Ostsee bis zum japanischen Meer und vom nördlichsten Festlandspunkt des Kontinents bis südlich in das zentralasiatische Pamir- Gebirge, welches zum Dach der Welt zählt. Eine ideale Lage also, um das Land zu einem leistungsfähigen Logistikstandort und zur wichtigsten Ost-West-Brücke zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion zu entwickeln. Im Zeitraum 2016 bis 2020 sollten sich laut lokaler Schätzung die jährlichen Einnahmen aus dem Logistiksektor verdoppeln. Zahlreiche neue Logistikzentren befinden sich zurzeit im Aufbau oder noch in der Planung.

Die recht gute Infrastruktur des Landes und die ausgebildeten Arbeitskräfte würden darüberhinaus dafür sprechen, Belarus als verlängerte Werkbank oder als Standort für Industrie-und IT-Services mit den Zielmärkten im Osten wie im Westen in Betracht zu ziehen. Doch die Hoffnungen von Belarus mit der seit Beginn 2015 in Kraft getretenen Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) haben sich bisher nicht erfüllt. Eine Vielzahl von Handelshemmnissen bestehen fort. Die Einschränkungen im EAWU-Handel haben sich durch die russischen Sanktionen gegen die Ukraine sogar noch verschärft.

Neue Hoffnungen: Erholung in Sicht
Erste Anzeichen einer Erholung der belarussischen Wirtschaft zeigten sich im Jahr 2017. In den Jahren 2018 und 2019 wird das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um jeweils drei Prozent wachsen. Nachdem externe Faktoren wie die bessere Wirtschaftslage in Russland und höhere Preise für die wichtigsten Exportgüter 2017 das Ende der Rezession eingeleitet haben, gewinnt 2018 die Binnenkonjunktur an Fahrt.

Das makroökonomische Umfeld hat sich verbessert. Für 2018 sieht der Staatshaushalt Einnahmen von über 10,11 Milliarden USD (+7,8 Prozent) sowie Ausgaben über 9,75 Milliarden USD (-7 Prozent) und damit einen positiven Haushaltssaldo von 734 Millionen USD vor. Auch der private Konsum erholt sich von den Rückgängen während der Rezession. Nach einem Plus von 4,5 Prozent im Jahr 2017 könnte der Verbrauch 2018 und 2019 nach Einschätzung der Weltbank jeweils um rund drei Prozent zulegen.

Die gesunkene Inflationsrate, der stabile Wechselkurs, Lohnsteigerungen sowie die vermehrte Vergabe von Verbraucherkrediten wirken sich positiv auf den Konsum aus. Die Umsätze im Einzelhandel sind in den ersten vier Monaten 2018 real um 9,8 Prozent auf 6,7 Milliarden USD gestiegen. Gleichwohl bleibt das Wachstumspotenzial des Landes begrenzt. Gründe hierfür sind der unterentwickelte Privatsektor und der geringe Wettbewerb. Trotz der 2017 beschlossenen Erleichterungen für private Unternehmen bleibt die dringend erforderliche Restrukturierung der staatlichen Betriebe weiter aus. Risiken bergen die hohe Auslandsverschuldung von Staat und Staatsunternehmen, die starke Abhängigkeit von Russland sowie der niedrige Stand der Devisenreserven.

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Belarus und Deutschland
Deutschland ist für die Republik Belarus der viertwichtigste Außenhandelspartner (nach Russland, der Ukraine und Polen) und der wichtigste Lieferant von High-Tech-Investitionsgütern. Die deutschen Importe aus Belarus beliefen sich in den ersten vier Monaten auf rund 180 Millionen Euro. Belarus exportiert nach Deutschland vor allem Mineralprodukte, Metalle und deren Erzeugnisse, Produkte chemischer und damit verbundener Industriezweige, Holz und Holzerzeugnisse.

Importe aus Deutschland sind im Wesentlichen Maschinen und Geräte, Transportmittel, Produkte chemischer und damit verbundener Industriezweige, Kunststoffe und Kunststofferzeugnisse sowie Kfz und –Teile. Sie verzeichneten in den ersten vier Monaten 2018 ein Plus von 23 Prozent auf knapp 500 Millionen Euro. Damit setzte sich der positive Trend aus dem Jahr 2017 fort (+29 Prozent). Trotz schwieriger wirtschaftlicher und administrativer Rahmenbedingungen sind derzeit etwa 350 deutsche Unternehmen in Belarus aktiv, davon etwa 90 mit Repräsentanzen.