Geld + Märkte

08. November 2018
Vietnam

Zukunftsmarkt auf dem Weg zum Industrieland

Eine Bevölkerung von über 93 Millionen Menschen mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren und eine Wirtschaft mit einem stetigen Wachstum von mehr als sechs Prozent machen Vietnam zu einem wichtigen Zukunftsmarkt.
Marko Walde, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Vietnam, spricht im Interview über die Gründe für die hervorragende Geschäftsentwicklung deutscher Unternehmen.

Privatinvestitionen +17 Prozent, Privatkonsum +8 Prozent, Außenhandel +21 Prozent – das alles in einem Jahr. Erleben wir gerade ein vietnamesisches Wirtschaftsmärchen?
Angesichts der Daten, die ja auch nicht erst seit dem vergangen Jahr deutlich nach oben zeigen, kann man sicher diesen Eindruck gewinnen. Von einem niedrigen Niveau kommend, erlebt Vietnam seit 20 Jahren einen konstanten wirtschaftlichen Aufschwung. Der Staat, der mittlerweile zu den Ländern mit einem mittleren Einkommen zählt, ist ganz klar auf dem Weg zum Industrieland.

Aber natürlich ist nicht alles nur rosig. Es bedarf noch großer Investitionen, insbesondere in die Infrastruktur, auch die Entwicklung der vietnamesischen Unternehmen muss voranschreiten. Aktuell ist es gar nicht so einfach, einen verlässlichen lokalen Geschäftspartner zu finden, der die gewünschten Standards erfüllt. Es bedarf also auch noch einer Fortschreibung dieses Märchens, aber ich bin guter Dinge.

Vietnam ist Vertragspartner zahlreicher Freihandelsabkommen. Welche Vorteile bieten diese?
Freihandelsabkommen spielen sicher eine wichtige Rolle für den Aufschwung. Sie sorgen für tarifäre Vorteile und erleichtern beispielsweise durch einheitliche Zertifizierungen den Marktzugang. Diese Abkommen werden dabei der vietnamesischen Mentalität gerecht, denn die Gesellschaft setzt auf Harmonie und möchte dementsprechend mit möglichst vielen Wirtschaftsräumen gute Kontakte pflegen.

Gerade die letzten Abkommen sind von zentraler Bedeutung: Vietnam ist nach Singapur erst das zweite Land in der Region, das mit der Europäischen Union ein Freihandelsabkommen unterzeichnet hat. Zusammen mit Malaysia, Singapur und Brunei ist Vietnam zudem das einzige Land, das in der TPP-11 Partner ist.

Das Wachstum der deutschen Exporte der letzten Jahre liest sich beeindruckend. Sie sind zwischen 2014 und 2017 um 76 Prozent gestiegen. Woher kommt dieser Aufschwung?
Der eben angesprochene Freihandel ist sicher ein wichtiger Faktor. Zudem dürfen wir nicht die traditionell guten Beziehungen zwischen beiden Ländern vergessen. Aufgrund der Gastarbeiterabkommen mit der damaligen DDR leben noch immer 120.000 Vietnamesen dauerhaft in Deutschland und zusätzlich wurden zahlreiche Vietnamesen in Deutschland ausgebildet. In den vergangenen Jahren hat sich das Land zudem weiter wirtschaftlich geöffnet, wodurch der Import und Vertrieb massiv erleichtert worden sind, auch wenn es weiterhin gewisse Hürden gibt.




 

Marko Walde, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Vietnam

Wo sehen Sie in Zukunft das größte Potenzial für deutsche Unternehmen in Vietnam?
Das möchte ich branchenmäßig gar nicht einschränken, denn es gibt in allen Bereichen noch großes Potenzial. Ziel ist beispielweise, dass Produkte verstärkt vor Ort weiterverarbeitet werden. Wir verspüren hier ein großes Interesse von zahlreichen deutschen Unternehmen. Insbesondere Firmen, die bereits vor mehreren Jahren zunächst in China investiert haben, sind aus Diversifikationsgründen auf der Suche nach einem zweiten Markt in Asien. Und dafür ist das Land sicher ein prädestinierter Standort.

Welche Dienstleistungen im Bereich Markteinstieg sind bei Ihrer Delegation besonders gefragt?
Wir sind beim Thema Markteinstieg sehr breit aufgestellt und die Nachfrage verteilt sich relativ gut: 40 Prozent machen Vertriebsdienstleitungen aus, weitere 40 Prozent der Service rund um die Beschaff ungund die letzten 20 Prozent drehten sich um Investitionsansiedlungen. Hier wird beispielsweise unser Office-in-Office-Angebot
sehr stark nachgefragt. Dieses bietet Firmen die Möglichkeit, auch ohne lokale rechtliche Struktur, über uns einen Schreibtisch anzumieten und einen Mitarbeiter einzustellen. So kann der Markt vor Ort in einem überschaubaren Zeitraum und mit geringem Risiko getestet werden.

Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Vietnam ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil ...“
... das Land in der Region neben Singapurdie geringsten Markteinstiegsbarrieren für ausländische Investoren hat, es hier motivierte und zuverlässige Arbeitskräfte gibt und Deutschland aufgrund der historischen Beziehungen einen hervorragenden Ruf besitzt.

VIETNAM IN ZAHLEN
BIP, in Mrd. USD, 2018*: 240,8
BIP pro Kopf, in USD, 2018*: 2.546
Wirtschaftswachstum, 2018 in %, real*: 6,6

Beziehungen zu Deutschland (Veränderung ggü.: 2016):
Dt. Einfuhren, in Mio. EUR: 9.608,2 (+9,1 %)
Dt. Ausfuhren, in Mio. EUR: 3.481,5 (+33,6 %)

Hermes Länderkategorie: 5

Ease of Doing Business 2018: 68 von 190 Ländern

Quellen: GTAI 2018, Destatis

 

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