Der afrikanische Kontinent befindet sich seit mehr als zehn Jahren im wirtschaftlichen Aufschwung. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds wird die Wirtschaftsleistung Afrikas auch in den Jahren 2019 und 2020 mit rund 4 Prozent weiterwachsen. Gleichzeitig wird sich allerdings die Bevölkerungszahl auf dem afrikanischen Kontinent bis 2050 auf circa 2,5 Mrd. Einwohner verdoppeln. 20 Millionen Jugendliche werden jährlich neu auf die Arbeitsmärkte strömen.
 
Die junge, digital affine Bevölkerung ist zugleich Chance und Herausforderung für Europas Nachbarkontinent. Gelingt es, ihnen Beschäftigungsperspektiven zu bieten, wird Afrika auch seine gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen. Ein Mangel an Perspektiven würde hingegen zu politischer Instabilität führen und den Migrationsdruck verstärken.
 
Deutsche Wirtschaft noch zurückhaltend, Tendenz aber positiv
Der deutsch-afrikanische Handel liegt mit einem bilateralen Volumen von rund 46 Mrd. Euro im Jahr 2017 gleichauf mit dem Warenaustausch mit Ungarn. Lediglich zwei Prozent des deutschen Außenhandels werden mit den Ländern unseres Nachbarkontinents erwirtschaftet.
 
Die Tendenz ist aber positiv: Deutsche Exporte weltweit legten seit dem Jahr 2000 um 114 Prozent zu, die deutschen Exporte nach Afrika wuchsen um 144 Prozent. Der deutsche Investitionsbestand auf dem afrikanischen Kontinent betrug 2016 circa 11 Mrd. Euro – ein Zuwachs von 13 Prozent gegenüber 2010.
 
Ansatz der Bundesregierung stärken: weniger Entwicklungshilfe, mehr Wirtschaft
Zur Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven für die junge Bevölkerung Afrikas stellte die Bundesregierung seit der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 neue Weichen für die Zusammenarbeit. Der Koalitionsvertrag fordert nachdrücklich stärkeres unternehmerisches Engagement anstatt klassischer Entwicklungszusammenarbeit und setzt dabei auch auf die deutsche Wirtschaft.
 
Ein neues Element dieser Politik ist die "Compact with Africa" (CwA) -Initiative. Mit elf afrikanischen Staaten[1] haben die G20-Länder sogenannte Reformpartnerschaften ins Leben gerufen.
 
Die afrikanischen Regierungen verpflichten sich, Verbesserungen der Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Engagement in ihren Ländern umzusetzen. Dies betrifft beispielsweise Fragen der Rechtssicherheit ebenso wie Reformen in der Verwaltung und die Verbesserung der Bildungssituation. Im Gegenzug unterstützen die G20-Regierungen ein stärkeres Engagement ihrer Unternehmen in Afrika.
 
"Compact with Africa"-Initiative konsequent umsetzen
Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutierten die Staats- und Regierungschefs der CwA-Staaten am 30. Oktober 2018 in Berlin die Umsetzung dieser Initiative.
 
Dabei stellte die Bundeskanzlerin weitere Instrumente der Bundesregierung zur Unterstützung unternehmerischer Aktivitäten in Afrika vor. Solche Maßnahmen sind zentral für ein größeres Engagement deutscher Unternehmen. Denn gerade die Risikoabsicherung, aber auch die Finanzierung von Vorhaben in Afrika stellen häufig hohe Hürden dar. Hier sollten die Instrumente rasch und konsequent implementiert und weiterentwickelt werden.
 
Erste konkrete Leuchtturmprojekte deutscher Unternehmen konnten bereits vorgestellt werden. Das Engagement reicht von Infrastruktur über Energie bis hin zu Automobilindustrie und digitalen Technologien. Bei der erfolgreichen Umsetzung von Projekten unterstützen auch die Auslandshandelskammern (AHKs). Das weltweite Netzwerk der AHKs bietet an mittlerweile 15 Standorten in 12 Ländern des afrikanischen Kontinents ein Beratungsangebot für deutsche Unternehmen, das sich weiter im Ausbau befindet.
 
German-African Business Summit 2019
Der German-African Business Summit (GABS) ist Deutschlands bedeutendste Wirtschaftsveranstaltung auf dem afrikanischen Kontinent.
 
Organisiert von der Subsahara-Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft (SAFRI), findet der dritte GABS vom 11. bis 13. Februar 2019 in der ghanaischen Hauptstadt Accra statt. Dort werden Entscheider aus Wirtschaft und Politik Partnerschaften vertiefen und konkrete Projekte in die Wege leiten.
 
 
[1] Ägypten, Äthiopien, Benin, Côte d’Ivoire, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Aktuell laufen Gespräche zu einer Aufnahme von Burkina Faso.