Insbesondere auf dem Land und in kleineren Städten schließen angestammte Einzelhandelsgeschäfte mit unangenehmen Folgen: leerstehende Ladenflächen und verödete Innenstädte. Der stationäre Handel droht den „digitalen Zug“ zu verpassen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie von ibi research an der Universität Regensburg verkaufen 54 Prozent der Händler in Deutschland ihre Produkte ausschließlich stationär. 37 Prozent davon wollen zumindest in fünf Jahren auch im Internet aktiv werden.
 
Dabei drängt die Zeit, denn immerhin 14 Prozent der reinen Onlinehändler wollen umgekehrt in das stationäre Geschäft einsteigen. Neben mangelndem Know-how sind es nicht zuletzt die fehlenden finanziellen Mittel, welche die Digitalisierung bei kleinen Fachhändlern scheitern lassen. Der E-Commerce-Umsatz nimmt seit Jahren zu, ebenso der Mobile- Commerce-Umsatz und die stationären Händler fragen sich, was sie tun können, um diese Entwicklung nicht komplett zu verpassen, und auch für die Menschen sichtbar zu werden, die nicht am Laden vorbeilaufen.
 
Online-Marketing-Algorithmen
Jeder Stillstand kommt einem Rückschritt gleich. Doch muss nun jeder Händler einen eigenen Shop entwickeln, eine gesamte Abteilung dafür gründen, vorab investieren und darauf hoffen, dass dieser Plan irgendwann aufgeht? Gut, dass es auch hier Zwischenstufen gibt, die es ermöglichen, kostengünstig zu testen und die Online-Aktivitäten langsam auszubauen bevor es zu hohen Investitionen kommt. Neben einem eigenen Online-Shop besteht beispielsweise die Möglichkeit, sich an verschiedenen Marktplätzen zu beteiligen.
 
Der bekannteste dieser Marktplätze ist sicherlich Amazon. Darüber hinaus bieten unter anderem Otto, die Klingel-Gruppe oder schuhe24.de Marktplätze an. Meist wird eine vereinbarte Provision gezahlt, die erfolgsbedingt ist. Weitere Details zu den Preisen sind den Seiten direkt zu entnehmen. Die Marktplatzanbindung wird von verschiedenen Tools, wie zum Beispiel channelpilot.de unterstützt. Sie erleichtern eine solche Anbindung und gestalten diese übersichtlicher.
 
Social-Media-Marketing
Eine weitere Möglichkeit ist es, die Online-Marketing und vor allem die Social-Media-Marketing-Maßnahmen zu verstärken und in einen eigenen Facebook-, Instagram- oder YouTube-Account zu investieren, denn an dem Ort, an dem sich die Augen der potenziellen Kunden befinden, sollte man selbst platziert sein. Dabei geht es ebenso wie bei den anderen Marketingmaßnahmen erst einmal darum, gesehen zu werden.
 
Es soll ein Erstkontakt entstehen, der durch wiederholtes Präsentieren vertieft wird. Des Weiteren kann Social Media zum Austausch genutzt werden und um Kunden zu beraten und einen guten Service zu bieten. Es kann somit sowohl eine Neukundenbeziehung entstehen, wie auch eine bestehende Kundenbindung ausgebaut werden.

„Der stationäre Handel droht den ‚digitalen Zug‘ zu verpassen.“

 
Vorteile ausschöpfen
Der große Vorteil des Online-Marketings ist der Kostenaspekt in Zusammenhang mit einer vergrößerten Reichweite. Facebook- oder Instagram-Werbung ist und kann sehr effektiv sein, wenn sie strategisch durchdacht ist, getestet und Schritt für Schritt optimiert wird. Es ist außerdem möglich, die Kunden geographisch, demographisch und interessenbezogen einzugrenzen und nur die potenziellen Zielkunden anzusprechen. Beispielsweise kann ein Rabattcode einer bestimmten Zielgruppe angezeigt werden, die diesen über Facebook erhält, aber im Laden einlösen muss.
 
Solch ein Test kann schnell umgesetzt, aber auch jederzeit abgebrochen und neu durchdacht werden. Diese Flexibilität gibt es in keinem anderen Medium. Darüber hinaus können verschiedene Gewinnspiele, Aktionen, Events und andere Erlebnisse über Social Media vermittelt werden, um Menschen in den stationären Handel zu bringen. „Reichweite“ ist dabei das Stichwort. Je größer diese Reichweite ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, von einem potenziellen Kunden gesehen zu werden und ab einem Euro pro Tag kann man zumindest ganz langsam beginnen, diese Reichweite im Internet auszubauen.
 
Social-Media-Marketing sollte also kein unberührtes Feld bleiben, wenn eine Internetpräsenz ausgebaut werden soll. Die Menschen verbringen in Deutschland durchschnittlich 5.000 Minuten im Monat im Internet und etwa dreiviertel dieser Zeit befinden sie sich auf Social-Media-Plattformen wie Instagram und Co.
 
Möglichkeiten strategisch nutzen
Wer sich strategisch im Internet positionieren möchte, sollte zunächst zwei bis drei Social-Media-Plattformen auswählen. Dort werden dann Inhalte gepflegt, bezahlte Werbeanzeigen gestaltet und die Reichweite ausgebaut. Im zweiten Schritt kann eine Marktplatzanbindung erfolgen, die für direkte Abverkäufe über das Netz sorgt und die ersten E-Commerce Umsätze bringt. Wer sich dann noch für einen eigenen Online-Shop entscheiden sollte, kann die Möglichkeiten des Online-Trackings nutzen.

Mit diesen Möglichkeiten kann punktgenau festgestellt werden, was die individuelle Person bevorzugt, welche Seite sie sich angeschaut hat, welchen Artikel sie in den Warenkorb gelegt hat und vieles mehr. Auf dieser Daten-Basis können passend zugeschnittene Angebote entworfen werden, bei denen der Kunde nicht mehr lange nachdenken muss, bevor er eine Kaufentscheidung trifft. Diese Art von künstlicher Intelligenz ist von gängigen Begriffen wie zum Beispiel „Facebook Pixel“, „Retargeting“ oder „Google Analytics“ geprägt.
 
Wandel antreten
Dank dieser Tracking-Möglichkeiten und der Verfügbarkeit unzähliger mobiler Medien, ist der Verbraucher immer und überall für die Erfassung seiner eigenen Wünsche und Vorstellungen erreichbar. Kurze und direkte Wege für die Kontaktaufnahme und punktgenaue Treffer in Hinsicht auf die Kundenwünsche sind somit kein Problem mehr. Die Treffer garantieren einen geringeren Streuverlust der eigenen Marketing-Botschaft und erhöhen damit die Abverkäufe zu geringeren Kosten. So kann der Handel in den langsamen Wandel treten und sich digital nach und nach besser positionieren. Wichtig ist nur, dass dieser Weg auch beschritten wird.  

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