Frankeich gegen Italien, Kanada gegen die USA, selbst die USA gegen die Welt: All diese Handelskriege hat es in der Geschichte schon gegeben. Und sie lehren uns, dass sie meist für alle Beteiligten schlecht ausgehen. 

25 Prozent Strafzoll auf Stahl, zehn Prozent auf Aluminium – Donald Trump hat entgegen der Meinung seiner Wirtschaftsberater die erste Salve in einem möglichen Handelskrieg verschossen. Von der EU bis China sind die Reaktionen wütend. Die Zölle passen in Trumps „America First“- Politik und der Präsident denkt, selbst wenn sie einen Handelskrieg auslösten, sei das etwas Gutes. So twitterte er: „Wenn ein Land (USA) viele Milliarden Dollar beim Handel mit quasi jedem Land verliert, mit dem es Handel treibt, dann sind Handelskriege gut und einfach zu gewinnen. Beispiel: Wenn unsere Bilanz mit einem bestimmten Land 100 Milliarden Dollar im Minus ist, handle einfach nicht mehr mit ihnen – wir gewinnen. Es ist einfach!“ 

Mit dieser Meinung steht Trump in der Fachwelt allerdings ziemlich alleine da. Sein Wirtschaftsberater Gary Cohn schmiss mutmaßlich wegen dieser Haltung seinen Job hin. Und auch die Geschichte lehrt uns, dass Handelskriege eben nicht „einfach“ und „gut“ sind. Hier sind ein paar Beispiele: 

1. Großbritannien gegen China: Die Opium-Kriege (ab 1839) 
Wenn wir von einem „Handelskrieg“ sprechen, dann geht es meistens nur um wirtschaftliche oder politische Auseinandersetzungen – manchmal werden die aber auch handfest.  Das Kaiserreich China etwa schottete sich im 19. Jahrhundert gegenüber ausländischen Mächten ab. Kein freier Handel mit Europa, keiner mit den USA, war da das Motto. Besonders Großbritannien hatte damit ein Problem, denn die Briten liebten chinesische Seide, Porzellan und Tee, während die Chinesen kaum britische Produkte kauften. Das Ergebnis: Ein dickes Handelsdefizit Großbritanniens mit China. 

Der Opiumkrieg und seine Folgen für China 
Dem begegneten die Briten zunächst trickreich. Sie stifteten Händler dazu an, immer mehr Opium nach China zu liefern. Die chinesische Regierung war verärgert, als sie dies herausfand und beendete den Handel mit Großbritannien komplett.  Das wiederum ging nun militärisch gegen die Protektionisten vor. Nach drei Jahre Krieg wurde 1842 der Friedensvertrag von Nanking geschlossen, in dem unter anderem Hongkong für mehr als 150 Jahre in britische Herrschaft überging. 

2. US-Kanadischer Handelskrieg (ab 1866) 
Die Republikaner in den USA haben schon einmal eine Handelsauseinandersetzung angefangen. Kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg kündigte die Partei den Handelsvertrag mit dem Nachbarn Kanada und verhängte stattdessen Strafzölle auf kanadische Produkte.  Es dauerte 13 Jahre, bis Kanada 1879 seinerseits mit Strafzöllen auf US-Produkte reagierte. Die Folge: 65 US-Firmen, darunter etwa Maschinenbauer Singer und Tabakriese American Tobacco, schlossen Werke in den USA und bauten sie in Kanada neu auf. Tausende US-Amerikaner verloren ihre Jobs. 

Der Handelskrieg den Amerika begann und Kanada gewann 
Die Spannungen zwischen beiden Ländern wurden noch härter, als erst die USA und dann Kanada in den 1890er Jahren die Strafzölle auch auf landwirtschaftliche Produkte ausweiteten und generell verschärften. Die US-Exporte ins Nachbarland fielen um die Hälfte. Kanada orientierte sich stärker an Großbritannien als Handelspartner und es dauerte Jahrzehnte, bis die USA und Kanada wieder normale Handelsbeziehungen miteinander führten. Und erst seit dem umstrittenen NAFTA-Abkommen aus den 1990er Jahren gibt es wieder freien Handel zwischen beiden Ländern - nach mehr als 100 Jahren. 

3. Frankreich gegen Italien (ab 1871) 
Der heutige Staat Italien entstand im Wesentlichen 1870 nach einer Folge von Unabhängigkeitskriegen, in denen sich die Italiener unter anderem gegen die Franzosen wehren mussten. Das ließ die neue Republik den Nachbarn direkt spüren: Auf französische Produkte wurden 1871 Strafzölle von bis zu 60 Prozent verhängt. 

Die Franzosen drohten dem kleinen Nachbarn lange mit (wirtschaftlichen) Vergeltungsmaßnahmen, führten diese aber erst 1892 aus. Das Méline-Gesetz, benannt nach dem damaligen Präsidenten, beendete nicht nur den Freihandel mit Italien, sondern gleich mit allen Ländern. Frankreich wurde ein stark protektionistisch agierendes Land.  Darunter litt nicht nur der Handel zwischen Frankreich und Italien, auch andere Länder wurden in die Auseinandersetzung indirekt miteinbezogen. Weil in Paris und Rom weniger produziert wurde, verdiente das Ausland auch mit Rohstoffen oder Zwischenprodukten weniger, die es bisher an Frankreich und Italien geliefert hatte. 

Die Auseinandersetzung hatte zudem schwere politische Folgen. Der Protektionismus europäischer Staaten im Allgemeinen mündete in die Stimmung, die 1914 den Ersten Weltkrieg auslöste. Und Italiens Streit mit Frankreich im Speziellen führte dazu, dass das Land zunächst neutral blieb, ehe es 1915 doch auf der Seite der Entente in den Krieg eintrat und damit zumindest indirekt Frankreich unterstützte. 

4. USA gegen die Welt (ab 1930) 
US-Präsident Herbert Hoover (Republikaner) war gerade einmal sechs Monate im Amt, als mit dem „Schwarzen Donnerstag“ 1929 die Weltwirtschaftskrise ausbrach. In den USA gingen Jobs und viel Geld verloren. Der Präsident und seine Partei reagierten darauf mit einer protektionistischen Politik, die auch gut den Namen „America First“ hätte tragen können. 

1930 erließen die USA den Smoot-Hawley-Act, benannt nach seinen Initiatoren. Mit dem Gesetzespaket wurden Strafzölle auf hunderte Produkte aus der ganzen Welt verhängt. Und diese Welt reagierte darauf genauso verärgert, wie sie es heute tut. Kanada und Europa verhängten ebenso Strafzölle auf US-Produkte.  Schlimmer aber, die Abschottung der USA hatte weitreichende politische Folgen: In Italien etwa wurden Autos von US-Herstellern auf den Straßen angezündet. Mussolini ver¬sprach seinem Volk, sich gegen die Zölle zu wehren. US-Exporte nach Italien brachen von 1928 bis 1932 auf ein Viertel des vorherigen Niveaus ein. 

Schlimmer noch, die von den USA benachteiligten Länder suchten sich andere Handelspartner. Viele orientierten sich etwa gen Osten und schlossen Freihandelsverträge oder Abkommen mit der Sowjetunion. Ohne Handelspartner litt wiederum die US-Wirtschaft. Führende Wissenschaftler wie Milton Friedman und Paul Krugman sind heute davon überzeugt, dass der Smoot-Hawley-Act die Wirtschaftskrise in den USA zwar nicht auslöste, aber verhinderte, dass sich das Land schnell daraus befreien konnte. 

Dieser Text erschien zuerst bei Finanzen100.de

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